Getaggte Beiträge ‘Guayaquil’

Niemals geht man so ganz…

April 2, 2008

HeimreisePeters Eltern sind wieder in Deutschland - und haben schon wieder ihren ersten “richtigen” Filterkaffee seit langem getrunken! Am Montag Mittag um 15 Uhr hieß es Abschied nehmen von Peter, ich bin noch mit in den Bus gestiegen und nach Guyaquil mitgefahren. Mit einen super-duper neuen, sehr bequemen Reisebus von Mercedes Benz der Buslinie “Super-Semeria”.

Kaum aus der Stadt heraus, hält der Bus erst mal an: Ein Polizist und eine Polizistin in grau-schwarz gefleckter Tarnuniform steigen ein: Passkontrolle! Das große Kramen beginnt, aber es wird nichts beanstanded, nur ein paar Rucksäcke betastet. Es kann weitergehen.

Anders als beim Fahrkartenkauf angesagt, sind wir doch die Strecke über den Pass im Cajas-Nationalpark gefahren - eine Strecke, die ich jetzt schon richtig gut kenne. Und gerade als ich mich freue, wie gut ich doch schon bescheid weiß: Vollbremsung! Durch einen kleinen Erdrutsch ist ein Laternenpfahl in die Schräglage geraten, an dem auch ein Stromkabel befestigt war. Das hängt nun gefährlich tief über die Straße, aber der Busfahrer schafft es, im Schritttempo darunter hindurch zu fahren. Auch dieses Hindernis gemeistert.

Der Rest der Fahrt, immerhin noch vier Stunden, verläuft ruhig. Wir können uns die Bananenplantagen vor Guayaquil noch einmal anschauen, die schrabbeligen Häuschen am Straßenrand. Sogar die voll Vergnügen im dreckigen Wasser badenden Kinder sind wieder da! Terminal Terrestre in Guayaquil: Alles Aussteigen! Wir ziehen los, da stürzt ein junger Typ, ein bisschen picklig, aber freundliche Augen, ordentliches Hemd und dunkle kurze Kringellocken auf uns zu: “Taxi! Taxi?” Ja, Taxi, das brauchen wir jetzt - und ohne weiter zu überlegen, sage ich: “Si, si.” Verhandele über den Preis: 3 $. Ein Schnäppchen!

Auf was ich mich da eingelassen habe, sehe ich erst, als wir draußen auf den Parkplatz kommen. Eine schrottige Karre, Privatwagen, silber-metallic, nicht das leuchtende Taxi-gelb. Die Türen klemmen, die Karosserie ist ein bisschen verbeult. Ein anderer junger Typ, noch viel ordentlicher, recht hübsch, will uns fahren. Nach einem Obulus von 50 Cent (da sind wir schon bei 3,50 $) an den Vermittler steigen wir wagemutig ein. Peters Papa möchte, so habe ich das Gefühl, noch ein kleines Abenteuer erleben, bevor es wieder nach Hause geht. Peters Mama macht tapfer mit.

Der Fahrer und ich reden ein bisschen, das Übliche “Wo kommt ihr her? Wo geht ihr hin?”, schließlich möchte er gerne einen Satz auf deutsch übersetzt haben. Ich aber versteh nix. Irgendwas mit Gott?! Er erklärt es mir ungefähr fünfmal, haut ein paar Mal mit der Hand auf ein Buch auf dem Armaturenbrett. Endlich raff ich: Es geht um die Bibel! Das war ein Bilbelzitat! (Da fragt er ja genau die Richtige…) Ob er katholisch sei?, frage ich. Pikierter Blick von der Seite. Er sei “evangelico”. Aber ich wohl katholisch?

An dieser Stelle sei zu sagen, dass “evangelico” nicht etwa evangelisch heißt, sondern: evangelikal. Das sind die Christen hier, die jedes Wort aus der Bibel eins zu eins übernehmen, andere missionieren wollen (vom Prediger auf der Sraße bis hin zu denen, die an den Häusern klingeln) und an Palmsonntag und Ostern “Jesus”-Prozessionen machen, mit echten Dornenkronen und echten Peitschen. Nachdem wir dann alle erfahren haben, dass es nur einen Gott gibt und er an ihn glaubt… kommen wir endlich am Flughafen an und entfliehen der Karre und dem Geschwätz. Und ich verspreche Peters Mama hoch und heilig, dass wir von nun an nur noch in “richtige Taxis” steigen.

Der Rest - das Hotel kennen wir ja schon - klappt prima: Beim Gepäck muss noch ein bisschen was vom einen Koffer in den anderen geräumt werden, das Abendessen im chinesischen Restaurant im “Sol de Oriente” ist superlecker und mit der dröhnenden Alarmanlage werden wir auch fertig: Peters Eltern können das Zimmer wechseln und doch noch ein bisschen schlafen.

Am nächsten Morgen frühstücken wir in der Riesensschlange am Eincheck-Schalter von Santa-Barbara, wo wir uns gemeinsam mit etlichen Familien, mit Kindern und Bergen von Gepäck die Beine in den Bauch stehen. Der Flieger hat dann auch nur anderthalb Stunden Verspätung. Einziger Wermutstropfen an diesem letzten Tag: Klaus vergisst die Digitalkamera auf dem Klo - und merkt es erst nach einer halben Stunde. Da ist sie schon “weg”. Die Kamera bleibt also hier…

PS: Auf meiner Rückfahrt mit einem Reisebus der gleichen Linie, wurde sich schon wieder um mein Seelenheil gesorgt: Kurz nach Abfahrt begann eine junge Frau leidenschaftlich zu predigen: warum der Glaube an Gott so wichtig sei, wie gut Gott doch für die sorgt, die an ihn glauben. Und warnte vor den Gefahren des Alkohols und Sex vor der Ehe. Nicht, dass irgendjemand zugehört hätte… Und gerade als ich mir überlegt hatte, sie trotz meiner marginalen Spanisch-Kenntnisse zu bitten, doch etwas leiser zu sprechen, schwenkte das Thema ganz plötzlich von Gott - zu Glasperlenarmbändchen. 20 Minuten Predigt und danach der Verkauf von Armbändern, die von einer christlichen Familie gemacht worden sind! Ich hab jedenfalls keines gekauft.

Tropenhitze & Leguane

März 13, 2008

Wir haben Besuch! Peters Eltern sind am Montag in Guyaquil angekommen. Alles hat prima geklappt (sieht man/frau mal von der kleinen (Um)Packaktion ab: Statt der vom Reisebüro zugesicherten zwei mal 23 Kilo pro Person waren dann doch nur 20 Kilo plus 8 Kilo Handgepäck erlaubt. Da die beiden aber schon am Vorabend des Fluges ihr Gepäck einchecken wollten, war noch genügend Zeit zum Umsortieren. Alle unsere “Bestellungen” und vor allem die Gummibärchen haben es nach Ecuador geschafft! Was ein Glück für uns!).

Pass im CajasPeter und ich sind am Montagmittag mit einem geliehenen Jeep über den Pass im Cajas-Nationalpark nach Guyaquil gefahren, um seine Eltern abends in Empfang zu nehmen. Die Straße war zwar im Prinzip frei, aber an vielen Stellen noch durch Erdrutsche, bedingt durch den starken Regen in den letzten Wochen, verengt. An einigen Stellen sogar noch versperrt - aber dann gab es einen Umweg neben der Straße durch Schlamm, Geröll und Matsch. Die Bagger und LKWs waren fleißig dabei, alles wieder freizuräumen.

Wir sind hier in Cuenca bei bedecktem Wetter losgefahren, im Cajas auf dem Pass in einer Höhe von knapp 4200 m wurde es dann recht kühl. Weiter ging es durch dicken Nebel die Berge runter Richtung Küste. Und dort auf einmal: Wärme. Sonne. Luftfeuchtigkeit. Und ich war zum ersten Mal in meinem Leben in den Tropen!

BananenplantageAuf dem Weg nach Guyaquil sind wir an riesigen Bananenplantagen vorbeigekommen (ich kann euch beruhigen, es gibt noch welche). Am Straßenrand schrabbelige Holzhütten auf Stelzen, Stände mit Mangos, Bananenstauden, Ananas. Kühe, die auf ihren Weiden bis zum Bauch im Wasser standen und Kinder, die mit größtem Vergnügen in der braunen Brühe badeten.

Regen in GuayaquilIn der Stadt angekommen erwischte uns dann noch ein Regenschutt: Und sofort waren die Straßen kniehoch mit Wasser bedeckt. Es floss nicht ab, was aber für uns Dank des Jeeps kein Problem war, auch wenn wir meterhohe Wasserfontänen hinter uns gelassen haben.

Peters Eltern waren nur eine Stunde verspätet: Am Flughafen in Carracas ging es etwas chaotisch zu, es musste noch auf “Koffer aus Europa” gewartet werden… Aber auch die sind irgendwann eingetrudelt und sie konnten die letzte Etappe ihrer Reise nach Ecuador antreten.

Nach großem Hallo am Flughafen in Guayaquil - klar! - sind wir ins Hotel, denn an eine Rückreise über den Pass in der Dunkelheit war natürlich nicht zu denken. Untergekommen sind wir, auch dank des Tipps eines sehr freundlichen und gut informierten Taxifahrers, im Hotel “Sol del Oriente”. Wir hatten Zimmer im 12. Stock und damit einen spektakulären Ausblick über die Stadt.

Besonders in der Nacht war es toll, im Bett zu liegen und auf die Lichter der Stadt und die der landenen Flugzeuge zu gucken. Auch das Frühstück am nächsten Morgen war - für ecuadorianische Verhältnisse - gut, wenn auch sehr deftig: Brötchen, Rührei, Kartoffeln, Würstchen und Hühnerschenkel, frisches Obst und - natürlich - “Jugo”, Saft. Und der obligatorische vermilchte Nescafé.

Leguane im Parque Seminario in GuayaquilDanach war Sightseeing angesagt: Wir hatten uns einen Schnelltrip zu den wichtigsten Tourizielen vorgenommen. Zuerst ging’s zum “Parque Seminario”, dem allerersten Park der Stadt, mit dicken(!) hohen(!) Ficus-Bäumen(!), Palmen, Gummibäumen und sonstigen Pflanzen (die bei uns in Deutschland meist eher schlecht als recht in den Blumentöpfen wachsen). Im Zentrum ein Standbild von Simon Bolivar, dem berühmten Kriegsherren im Befreiungskampf der nördlichen Südamerikastaaten. Kinder fütterten zahme Eichhörnchen mit Erdnüssen.

Berühmt ist der Park aber für seine Leguane, die von Anbeginn dort leben und den Ort nie verlassen haben. Da sich die Umgebung - damals vor 200 Jahren noch Mangroven- und Schwemmland - inzwischen doch beträchtlich geändert hat, füttern die Hoteliers und Gemüsehändler die Tiere durch.

Herr (oder Frau?) Leguan.Und die fühlen sich sichtlich wohl: Saßen auf den Wegen gemütlich in der Sonne, zwischen einigen Tauben. Mit langsamen, vorsichtigen Bewegungen konnte man sich ihnen bis auf ein paar Zentimeter nähern, ja, sie sogar anfassen! Einer fing an, mit seiner knubbligen rosa Zunge an meinem Finger zu lecken - nachdem ich mich im ersten Moment erschreckt hatte, war das natürlich klasse. Ein Leguan-Handkuss sozusagen. Sehr charmant!

Plötzlich - Warum, das haben wir nicht herausbekommen. Vielleicht eine laute Hupe? - kam Bewegung in die bis dahin so gemächlichen Viecher. In einem flotten Tempo, das ich ihnen gar nicht zugetraut hätte, sausten sie auf die Bäume, einer nach dem anderen flitzte die Stämme hoch und suchte sich einen Platz auf den Ästen hoch über unseren Köpfen.

Am Malecòn.Unser Spaziergang führte weiter zum Malecón, der Uferpromenade am Rio Guayas, mit ihren großartig angelegten Gärten, Spielplätzen, schiffsähnlichen Holzbauten - einfach ideal zum stundenlangen Schlendern am Wasser. Und natürlich ins Viertel “Santa Ana”.

Der Stadtteil wurde vor ein paar Jahren restauriert, die Holzhäuser neu gestrichen - und die ansässige Bevölkerung in die Umbauarbeiten einbezogen: Sie leben heute noch dort (wir konnten im Vorbeigehen oft einen Blick in die offenen Fenster oder Türen werfen) und profitieren sicher auch von den Maßnahmen zur Sicherheit: An jeder Ecke steht ein Wachmann mit Walkie-Talkie, die Lage im Blick.

Der Leuchtturm auf dem Gipfel des Cerro Santa Ana.So konnten wir unbesorgt (und in brütender Hitze *schwitz*) die über 400 Stufen bis zum Gipfel des Hügels hinaufstapfen. Überall an den Wänden der bunt angemalten Häuser hängen überall Fotografien mit “Vorher”-Bildern. Eine Putzkolonne spülte mit einem Kärcher die Stufen und Mäuerchen sauber: Alles war blitzblank, nirgends Müll, die Gärten wunderschön und gepflegt. Auf einem Basketballplatz spielte eine Schulklasse ungerührt in der prallen Sonne (während wir uns in jedem nur erreichbaren Fleckchen Schatten drängelten).

Oben angekommen konnten wir dann den Blick über den Rio Guays und die ganze Stadt genießen. Auf den Leuchtturm sind wir aber nicht mehr raufgeklettert: Es war einfach zu heiß. Aber für ein Foto hat die Kraft gerade noch so gereicht…

Matsch und SchlammGestärkt mit einem Mittagessen im Vierten Stock des Hotel Sol del Oriente haben wir dann die Rückfahrt angetreten, auch diesmal wieder durch Matsch und Schlamm - auch wenn es nicht geregnet hat: Nach der Küstenebene 60 Kilometer Bergauf bis zur höchsten Stelle des Passes, den Trés Cruzes (wo wir uns schlotternd in unsere dicken Pullis gekuschelt haben) wieder 40 Kilometer bergab bis nach Cuenca. Hier bleiben wir jetzt erst einmal bis am Wochenende Peters Osterferien anfangen und wir eine kleine Rundreise durch den Süden starten können.

PS: Da war doch noch was…? Ach ja, das Rätsel … Ähem … Die Auflösung kommt mañana. Dann aber in echt. Versprochen!