Archiv für die Kategorie ‘Ecuador’

HundedompteusInnen

August 28, 2008

Die letzten Tage in Cuenca sind vergangen wie im Flug (wie die ganzen acht Monate, wenn ich mir das so rückblickend anschaue), denn die kleine Jackie, unser auf dem Markt in Otavalo aufgelesenes Hundemädchen, ist wieder bei uns. Und da stellte sich nun die Frage: Wie geht es weiter?

Mitnehmen durfte ich sie ja leider noch nicht (der komplizierte Prozess der Tollwutschutz-Impfung und -verifizierung der Antikörper) ist noch nicht abgeschlossen. Einen dauerhaften Platz bei (tier)lieben Menschen haben wir für sie nicht gefunden. Also bleibt nur Plan B: Der Hund bleibt bei Peter – und leider jeden Tag einige Stunden alleine.

Nach ausführlichen Beratungsmails und -gesprächen mit „meiner“ ganz persönlichen Hundetrainerin, meiner Freundin Nanni, (siehe auch Was will mein Hund? ), hieß es dann, den Hund ans Alleinesein zu gewöhnen – nachdem wir vorher genau das Gegenteil gemacht hatten: Den Hund an uns gewöhnen und binden. Dass Klein-Jackie neben mir auf dem Boden schläft, wenn ich zum Beispiel am Computer sitze (und sie einfach weiterpennt, während ich mir einen neuen Kaffee hole oder Wäsche aufhänge), das war ja schon längst kein Problem mehr.

Aber alleine auf der Terrasse schlafen?! Hund könnte ja was verpassen! Das gab natürlich erst mal eine Menge Hundegejammer und -gepiepe. Aber mit etwas Geduld, einem Sack Leckerli (so ungefähr) und einer neuen dicken Hundedecke haben wir es tatsächlich hingekriegt, das Jackie nun für ein paar Stunden alleine sein kann, ohne auszuflippen. Hurraaah! Nun kann ich erleichtert nach Deutschland fahren (und da erst mal in aller Ruhe Hundeerziehungsbücher studieren, so dass ich im Januar – hoffentlich – alle Tricks drauf habe).

In der Zwischenzeit muss sich Peter um den Hund kümmern und das macht er super! Was er der Kleinen schon alles beigebracht hat („Weißt du, Jackie, Hunde die bellen, beißen nicht! Das kannst du dir mal merken!“ – „Nein, nicht den Kugelschreiber essen. Der ist doch zum Schreiben da!“)! Und welche Abenteuer er schon mit ihr erlebt hat (Jackie springt aus vollem Lauf zwei Meter tief die Böschung runter mittenrein in Tomebamba – zum Glück war sie an der langen Leine und Peter konnte sie rausfischen).

Und durch die halbe Stadt geschleppt hat er sie auch schon, als sie nicht mehr weiterlaufen wollte, weil sie einfach genug hatte vom Gehupe, den engen Bürgersteigen und den vielen Menschen (die sie fast alle freundlich anlächeln: „Que lindo perrito!“ Selbst der stählerne Blick hartgesottener Polizisten wird plötzlich weich!) .

Viel Zeit, um mich zu vermissen, wenn ich bald wieder in Deutschland bin, wird Peter wohl nicht haben…

Problem auf vier Pfoten

Juli 9, 2008

Ich bin gerade mit Peter unterwegs, wir waren nochmal am Chimborazo, dann in Otavalo, wo es einen grossen, sehr schoenen Markt gibt.

Jackie herself

Seitdem haben wir ein kleines Problem: Es ist klein, schwarz, hat vier Pfoten und ist ein Hundemaedchen. Wir haben sie in Otavalo auf dem Tiermarkt gesehen, dort lief sie auf dem Platz herum, wo auch die Kuehe standen. Sie hat uns quasi ausgewählt, denn sie rannte zielstrebig auf uns zu. Kaum hatte ich mich nach ihr gebueckt und sie gestreichelt, sagten die Besitzer schon: Yo te regalo! („Ich schenkse dir!“) – und sind abgehauen. Was sollten wir also tun? Irgendjemandem hinterlassen ging gar nicht (so wie die meisten ihre Tiere behandeln…).

Seither reisen wir mit Hund, was eigentlich ganz gut geht. Und zerbrechen uns den Kopf, wie es mit ihr weitergehen koennte. Wir schaetzen, dass sie etwa 5 Wochen alt ist (also eigentlich noch viel zu klein, um von ihrer Mama weg zu sein) – allerdings denke ich, dass sie einer sehr kleinen Rasse angehoert, denn die Pfoten sind winzig.

Strandspaziergang

Wir haben sie jetzt seit drei Tagen und sie ist schon recht gut an uns gewoehnt, wir koennen schon lange Strandspaziergaenge machen und sie folgt uns auch (wir rufen sie die ganze Zeit und locken sie, das funktioniert ganz gut). Wenn wir allerdings Gegenverkehr haben, laeuft sie uns manchmal davon… Aber auch das wird besser (wir locken und machen, Peter ist schon ein richtiger Koenig im „becircen“ der Kleinen).

Fressen ist ein Problem: Wir sind inzwischen hier in Canoa, an der Kueste. Nachdem am Anfang alle erzaehlt haben, dass die Kleine Milch trinken soll, hatten wir das versucht, aber das gab Kotzen und Durchfall, also hatte sich das gleich erledigt. Wir haben dann festgestellt, dass sie Fleisch und Fisch mag (gegart), das kriegt sie jetzt mit Reis, das funktioniert eigentlich ganz gut.

Nachts muessen wir oefters mal aufstehen, sie meldet sich immer, wenn sie Pipi muss – aber manchmal ist es dann auch schon zu spaet, wir sind schon ExpertInnen im Hundepfuetzenaufwischen und unser Klopapierverbrauch…. uiuiui. Aber auch das klappt immer besser.

Die grosse Frage ist jetzt nur: Was sollen wir tun? Gibt es irgendjemanden, der sich mit Bestimmungen auskennt, wie man so ein Hundemaedchen nach Deutschland kriegen kann? (Bitte ganz rasch melden!) Das waere eine Moeglichkeit – wenn auch vermutlich schwierig. Ich weiss nicht, wie das mit den Quarantaenebestimmungen (sie ist ja dafuer noch viel zu klein) und Impfungen aussieht.

Jackie & Geli

Eine andere Moeglichkeit waere natuerlich auch, hier einen Platz mit lieben Menschen fuer sie zu finden. Problem: Die Leute, die Tiere moegen, haben meistens schon viele und wollen nicht mehr. Ich kann sie aber auch nicht einfach so jemandem in die Hand druecken. Die meisten Leute kuemmern sich wenig bis gar nicht um „ihre“ Hunde, und klar, es gibt auch irre viele Strassenhunde. Seit die kleine „Jackie Sparrow“ (nach dem Piratenkapitaen aus „Piraten der Karibik“) bei uns ist, sehen wir nur totgefahren Hunde an der Strasse oder kranke, humpelnde, magere…

Gibt es eine Organisation, die Tier nach Deutschland bringt? Wo koennte ich mehr in Erfahrung bringen, wie ich sie „einfuehren“ kann? Koennt ihr, die ihr das lest, mal in eurem BekanntInnenkreis rumfragen und euch melden?

Ich schwanke dauernd zwischen Freude (sie ist sooo hinreissend!) und Traurig-Sein, weil wir nicht wissen, was am besten tun…

Endlich Ferien!

Juni 30, 2008

Nach einigen Stresswochen sind endlich die Sommerferien da! Zwar hatte Peter am Freitag schon seinen letzten Schultag, musste aber heute morgen nochmal ins Colegio, um dort letzte Vorbereitungen für eine Nachprüfung zu treffen, die am 11. Juli stattfindet (und das ist dann wirklich die letzte Tat in diesem Schuljahr).

Ab morgen wollen wir reisen: Es geht zunächst noch einmal an die Urbina, die höchste aller ecuadorianischen Bahnstation am Fuße des Chimborazo – die allerdings mittlerweile nicht mehr in Betrieb ist, dafür aber ein sehr gemütliches und rustikales Hostal mit Holzofen und Almhüttenflair.

Der freundliche Rucksackladen.Also sind wir heute nochmal durch die Stadt geflitzt, um einige Erledigungen zu machen, unter anderem habe ich einen neuen kleinen Tagesrucksack gekauft. In dem Laden in der Straße „Mariscal Sucre“, in dem es wirklich ausschließlich Rucksäcke („mochilas“) in allen Größen, Formen und Farben gab, ratterten hinter einen kleinen Türe auch zwei Nähmaschinen – woraufhin Peter seinen alten Rucksack rüberreichte mit der Frage, ob sie ihn reparieren können? (Eine Naht war aufgegangen.)

Und tatsächlich: Wir mussten zwar eine Viertelstunde warten – aber dann reichte uns der Meister der Rucksäcke Peters altes Stück. Super repariert, sogar mit doppelter Verstärkung. Und gekostet hat das auch nix! Wir waren total begeistert (sonst läuft es eher so, dass wir AusländerInnen überteuerte Gringopreise zahlen müssen oder auch schon mal ordentlich übers Ohr gehauen werden).

Louis mit seiner Frau im Eingang des neuen Restaurants.Unser Mittagessen haben wir heute bei Louis verspachtelt, in seinem neuen Lokal. Dort gibt es die allerbesten Pizzen von der ganzen Welt (so ungefähr) und dazu noch äußerst leckere, selbstgemachte Ravioli sowie eine herrliche Schokoladentorte, die sowohl oben als auch unten und in der Mitte eine Schokoladenschicht hat.

Wie er das hinkriegt, hat Louis uns nicht so genau verraten. Sein Koch-Handwerk aber hat er in Italien gelernt. Seit etwa zwei Wochen hat er ein neues Ladenlokal am Parque San Sebastian, in dem waren wir heute zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal.

Auch an „unserem“ Kaffeeladen, sind wir noch einmal vorbeigekommen. Ihn zu finden, ist leicht: In der Mariscal Sucre, an der Kathedrale und am Blumenmarkt vorbei, und dann immer der Nase nach. Es ist der erste der zwei Kaffeläden, gleich auf der rechten Seite. Denn es duftet fein nach frisch gerösteten Kaffebohnen aus Loja, die nach Bedarf gemahlen werden und das Kaffepulver dann in Plastiktüten eingeschweißt. Wir sollen uns dick anziehen, meinte die Besitzerin. Am Chimborazo sei es jetzt zwar „lindo“ (also schön), aber auch „con mucho frió“ (also saukalt). Wir haben versprochen, uns warm in viele Schichten einzupacken.