Baños
Januar 1, 20081. Januar 2008. Wir sind von Quito aus nach Baños (de Ambato) weitergefahren, das - wie der Name schon sagt - wegen seiner Bäder, seiner heißen Quellen berühmt ist. Wir sind im Hostal “Isla de Baños” untergekommen, der Besitzer, Christian, ist ein Deutscher. Er kommt aus München. Beim abendlichen Spaziergang, als wir uns eines der Bäder, gleich neben dem Wasserfall mitten in Baños angucken wollten, haben wir Roland getroffen, den Schul-Kollegen, der mit Peter zusammen in Cuenca im Haus gewohnt hat. Er stieg gerade mit zwei FreundInnen, die ihn hier besuchen, aus dem Taxi. Und vorher, beim Essen im “Café Hood”, hat Peter den Peter getroffen, der ein Hostel besitzt (in dem Peter schon war) und der gerade mal Urlaub mit seiner Freundin machte. Die Welt der Ausländer in Ecuador ist klein…
Für den nächsten Tag haben wir einen Ausritt geplant, unser Führer ist Wilson, er ist Ecuadorianer, 31 Jahre alt, verheiratet, hat eine achtjährige Tochter und arbeitet schon seit einigen Jahren für Christian. Er fährt mit uns erst mal raus aus der Stadt. Wir sitzen alle drei vorne im eigentlich zweisitzigen Pritschenwagen, der Zwischenraum zwischen den beiden Sitzen wird mit Jacken ausgestopft. “Das geht schon” (Wilson), dort nehme ich Platz. Unterwegs passieren wir Straßenabschnitte, die von Geröllmassen nur grob wieder freigeräumt sind: Gesteinsbrocken aus dem Vulkan Tungurahua. Wir fahren zu einem kleinen Gehöft.
Schon von dort haben wir Aussicht auf den den immer noch aktiven Vulkan, der 1999 seinen letzten großen Ausbruch hatte. Alle Leute von Banos und Umgebung wurden evakuiert, das Militär sperrte das Gebiet ab - und plünderte die leeren Häuser. Drei Monate lang durfte niemand zurück - bis die Leute einen Protestmarsch organisierten und sich ihr Hab und Gut zurückeroberten, zumindest das, was übrig geblieben war. Bis heute ist weder eine Untersuchung angestellt, geschweige denn sind die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen worden.
Auch Wilsons Vater hat Land direkt unterhalb des Kraters, inzwischen wird es aber nicht mehr genutzt, denn der Vulkan kann jederzeit wieder ausbrechen. Als wir fasziniert auf den zum Teil schneebedeckten Vulkankegel starren, fängt der Tungurahua an zu grummeln und zu poltern, als hätte er Husten! Wir schlucken, hören aber, das sei ganz normal. Dicke Asche- und Dampf-Wolken steigen auf, auch das passiert täglich. Ein Taxifahrer berichtet uns später, dass nachts auch Lava-Ausbrüche zu sehen sind - aber für einen “richtigen” Ausbruch fehlt dem Berg die Kraft, denn schließlich muss das glühende Gestein aus etwa 6000 m in die Höhe geschleudert werden.
Wilson hat derweil unsere Pferde eingefangen: Peter bekommt “Dulce”, die Süße. Wilson schnappt sich “Loco”, den Verrückten. Und ich besteige “Rosalio”. Los gehts. Nach etwa fünf (!) Minuten findet Wilson, es sei jetzt mal an der Zeit zu galoppieren… Der arme Peter, der so etwa zum dritten Mal im Leben auf einem Pferd sitzt, schluckt - aber ehe er Zeit zum Nachdenken hat, geht es los. Also einfach festhalten, locker bleiben und nicht runterfallen. Und die Pferde wissen genau, wo die Galoppstrecken sind, die machen ziemlich viel ohne uns - und sind so nett, uns das kaum merken zu lassen. Dulce aber hat wenig Lust auf Galopp und trottet nach ein paar Metern eher hinterher.
Wir reiten durch die Berge an Gehöften mit wild kläffenden Hunden, an Gärten und Plantagen vorbei. Zwischendurch haben wir einen grandiosen Ausblick auf den Tungurahua und seine beunruhigenden Dampfwolken. Peter quatscht viel auf Spanisch mit Wilson, ich genieße die Aussicht und lausche mit halbem Ohr (bleibt etwa ein Viertel übrig, das ich verstehe… ;o))
Mittagspause, die Pferde werden auf einer Wiese freigelassen, wir legen uns ins Gras, es gibt Sandwiches, Banane und schwarzen Tee mit Zitrone. Ich studiere die Tomate de Arbol-Bäume aus der Nähe (der Tomaten-Saft ist zur Zeit mein liebster!), Wilson (der übrigens acht Brüder und eine Schwester hat!) liest die Zeitung, in die sein Brot eingewickelt war.
Peter schnieft und schnauft und tupft sich die Augen: Er hat ja eine Pferde-Allergie, ist aber ganz tapfer - und muss, als es weitergeht, auf Loco steigen, damit auch er noch in den Genuss des Galoppierens kommt. Ich schaffe zwischendurch sogar das Traben (das ja nicht ganz einfach ist) und spüre ordentlich meine Beine.
Nach vier Stunden kommen wir wieder am Gehöft an. Als ich mir den Baum gleich am Gatter genauer anschaue, entdecke ich, dass es ein Avocado-Baum ist. Noch ein letzter Blick auf den rauchenden Tunguaruha, dann geht es zurück ins “Isla de Baños” (das leider nur eine sehr dürftige Homepage hat, auf die ich aber trotzdem verlinke).
PS Nichts schreiben werde ich hier ueber den Muskelkater, den ich in den naechsten Tagen hatte…