Frühstück im Café Tortuga, auschecken im Hostal. Wir holen das Auto ab, tauschen Telefonnummern mit Olga, der Chefin der Werkstatt, und kriegen als Beigabe noch zwei T-Shirts mit Aghuaysa-Emblem! Statt Urwald wollten wir jetzt in Schwefelquellen baden und haben Papallacta als nächstes Reiseziel angepeilt. Das liegt schon wieder auf 3400 Metern über dem Meeresspiegel, in Richtung Quito, und die Thermen dort sollen die schönsten von ganz Ecuador sein.
Wie wunderbar, wieder unterwegs zu sein! Gerade haben wir Baeza hinter uns gelassen, sehen uns schon im warmen Wasser liegen – da schnellt die Temperaturanzeige nach oben. Und als wir aussteigen, ist uns das Elend rasch klar: Unter dem Auto fließt die Kühlflüssigkeit davon, immer schön bergab. Ein Blick in den – neuen – Kühler: leer. Wieder stehen wir da, mitten auf der Straße, keine Ortschaft, geschweige denn eine Werkstatt weit und breit. Que mala suerte!

Mal wieder: Rauf auf die grua.
Doch wieder einmal haben wir Glück im Unglück. Eine „grua“, ein Abschleppwagen, kommt vorbei – und hält an! Der Fahrer ist mit Frau und Kind unterwegs nach Quito. Sein Gefährt ist zwar ebenfalls ramponiert (die Batterie ist alle und auf gar keinen Fall darf der Motor ausgehen), doch Peter bequatscht ihn, dass er uns mitnimmt, wenigstens bis nach Papallacta (wir haben das Bad noch nicht ganz abgeschrieben und hoffen zudem, dass es dort eine Werkstatt gibt).
Also hinauf mit unserem Jeep auf die grua. Und wir rein in unser Auto. Peter kann es nicht lassen, hält die Hände am Lenkrad und tut wenigstens so, als würde er fahren. Wir genießen also die ungewöhnliche Perspektive, schreiben ein paar Sms’, versuchen, das ganze mit Humor zu sehen. Irgendwie sind wir es ja jetzt auch schon gewohnt.
Papallacta entpuppt sich als Nullnummer in Sachen Werkstatt. Bloß einen Reifenflicker, einen „vulcanisador“ gibt es, aber der hilft in unserem Fall ja nicht weiter. Peter redet mit Engelszungen – und unser Auto wird nochmal festgezurrt, dann geht es weiter. Bis ganz nach Quito will uns der Fahrer (und seine griesgrämig dreinschauende Frau, sie ist echt sauer auf uns und findet die ganze Aktion ziemlich überflüssig) nicht mitnehmen, aber immerhin bis Pifo schaffen wir es.
Pifo. Der Name ist Programm. Was Piefigeres gibt es nicht. Aber: Es hat Werkstätten. Wir halten beim Mecanico „Ambato“. Der Chef ist ein kleiner, fröhlicher und reger Mann mit einem Kugelbauch, der Witze über den Hund reißt und anscheinend immerzu gute Laune hat. Und es herrscht Hochbetrieb (am Sonntag), kaum findet unser Auto Platz auf dem ölverschmierten Hof. Peter erzählt den Werdegang des Schadens, bald ist das Problem gefunden: Ein Loch in einem Rohr des Kühlsystems, noch eines. Das erste war schon in Tena geschweißt worden.
Wir müssen in Piefi-Pifo bleiben. Ein Taxifahrer weiß Rat (er hat sein Auto in der Werkstatt gehabt: Der Motor musste ausgebaut werden, damit ein Polizist die Motorseriennummer ablesen und mit der Nummer in den Papieren vergleichen konnte. Eine Prozedur von schlappen fünf Stunden, die jedes Jahr aufs Neue gemacht werden muss…). „Es gibt zwei Hotels in Pifo, soll ich euch hinbringen?“
Okay. Gepäck umräumen. Das erste Hotel kommt nicht in Frage: ein „24-Stunden-Hostal“… Bleibt Nummer zwei. Das zufällig dem Nachbarn von Herrn Vaca, dem Taxista, gehört. Ein kleiner Bungalow, darin drei Schlafzimmer mit Bad. Die Zimmerdecke ist großflächig verschimmelt und es stinkt nach Muff. Aber was bleibt uns übrig? Im Fernseher laufen Hardcore-Pornos. Alles klar.
Nochmal in die Stadt, es hat begonnen zu regnen – was nicht gerade zur Verbesserung des Bildes von Pifo beiträgt. Wo sollen wir zu Abend essen? Wir entscheiden uns für einen China-Imbiss, der jedoch von Ecuadorianern geführt wird. Das „Chaulafan“ ist okay, eine Menge Reis mit viel Sojasoße, Gemüse und ein bisschen Fleisch. Leider haben wir auch Frühlingsrollen bestellt, in dem naiven Glauben, da ja nix falsch machen zu können. Man kann auch hier: Die Rollen schwimmen in Öl. Und es gibt zwar rote Soße. Aber statt süß-sauer-Chinasoße handelt es sich um eine Erdbeerpampe. Brrr!
Wir greifen zum letzten Mittel: Alkohol. Mit einer Pulle Grants-Whiskey trinken wir uns unsere Unterkunft schön und kriegen schließlich einen Lachanfall nach dem nächsten. Ich verkrümele mich in meinen Schlafsack, so dass ich keinen engeren Kontakt mit der Bettwäsche haben muss. Noch ein Schluck und ein bisschen Fernsehen, uns fallen die Augen zu.
Der Morgen beginnt, wie könnte es anders sein, mit einem Besuch in der Werkstatt. Das Rohrstück ist geschweißt, aber der Kleber muss noch trocknen. Zeit also für ein Frühstück in Pifo! Frohgemut ziehen wir los. Es gibt nur ein Problem: nämlich keinen Kaffee. Nirgends.
Doch der Kleber ist irgendwann trocken, wir können weg, nur weg, von Pifo. Und wir haben nur noch einen Wunsch: ans Meer, nach Canoa. Neun Stunden brettern wir gen Küste. Dass das Auto nun als neueste Macke nicht mehr anspringt und wir immerzu anschieben müssen: Schwamm drüber!