Laguna Quilotoa

By angelikainecuador

Laguna QuilotoaDie Quilotoa-Lagune ist ein See, der sich in einem erloschenen Vulkan gebildet hat. Eine etwa fünf- bis sechs-stündige Wanderung entlang des Kraterrandes, dessen höchste Stelle 4016 Meter über dem Meeresspiegel liegt, führt um die Lagune herum. Vom Kraterrand geht es tief und steil nach unten ans blau-türkis leuchtende Wasser. Wir wollen uns zur Lagune bringen lassen und von dort zurück nach Chugchilan zu unserem Hostel wandern…

WandergruppeAls wir am Freitagmorgen losfahren, ist es trocken, statt des Dauerregens strahlt die Morgensonne. Wir sind zu siebt in der Wandergruppe. Eine ältere Amerikanerin namens Lucy fährt ebenfalls mit – allerdings nur zum Lagune gucken, danach geht es für sie weiter auf ihrem Südamerika-Trip.

Auf dem Weg – wie immer – die üblichen Erdrutsche. Einmal ist es so heftig, dass die beiden Fahrer erstmal Pause machen und sich einen Weg durch den Schlamm ausgucken müssen.

Schlammlawine

Nachdem wir vorher eine Horrorgeschichte vom Fahrer gehört haben – Er war trotz Allradantrieb an einer abschüssigen Stelle auf dem schmierigen Schlamm ins Rutschen gekommen und das Auto drohte ins Tal zu stürzen. Die Insassinnen, “einige Amerikanerinnen kreischten wie verrückt, hahaha” – steige ich lieber aus und gehe zu Fuß über den Schlamm, ebenso wie Peter und Mitch (Mitwanderer und ebenfalls Amerikaner). Auch Lucy steigt aus – und ihr leuchtend gelber Sportschuh bleibt erstmal im Schlamm stecken…

Laguna QuilotoaAber – wie immer – kommen wir durch, fahren bis ran an die Lagune, bezahlen die Fahrer und marschieren mit unserem Führer Miguel los. Der Ausblick auf die Lagune – wir gehen lange auf dem Grat des Kraterrandes entlang – ist fantastisch und ist natürlich unser beliebtestes Fotomotiv. Tief unten auf dem Wasser sind winzig klein, wie rote Pünktchen, ein paar Tretboote zu erkennen (unten am Ufer ist eine Bootstation, wo man sie mieten kann).

Wir drei beim Wandern.

Es wäre auch möglich herunter zum “Quilotoa Beach” zu gehen und später mit Eseln den steilen Anstieg wieder hinaufzureiten. Wir gehen allerdings nicht zum Ufer, sondern bleiben oben auf dem Grat und umrunden fast den ganzen Kratersee.

Als wir unsere erste Pause einlegen, um unsere Black Sheep Inn-Lunchpakete zu verspachteln – Popcorn, Apfel, dickes Sandwich, Möhrensschnitze, Haferkekse – fängt es dann doch an zu regnen.

MiguelMiguel, der sich etwas abseits ein Plätzchen auf der Wiese gesucht hat, isst nichts. Er hat auch nichts dabei – und freut sich sehr, als Peter und ich ihm was abgeben. Miguel hat neun (!) Kinder, seit einigen Jahren arbeitet er als Wanderführer, was ihm viel besser gefällt als die Situation vorher, als er noch in Quito gearbeitet hat, seine Familie aber in Chugchilan wohnte und er sie deshalb kaum sehen konnte.

Im Reiseführer wird vor Überfällen in der Nähe der Lagune gewarnt; vor kläffenden, wilden Hunden auf der Wanderstrecke – und auf keinen Fall sollte diese Wanderung ohne einen einheimischen Wanderführer gemacht werden! Uns kommen unterwegs nur ein paar Lastpferde auf dem schmalen Weg entgegen. Und trotzdem sind wir heilfroh, dass wir Miguel dabei haben, denn der Weg wird zunehmend schwieriger.

WanderungWir treffen auf eine Gruppe von Einheimischen, die Miguel auf die Frage nach dem Zustand des Weges (wir müssen durch einen Canyon) versichern: Da ist kein Durchkommen, alles verschüttet!

Wir gehen trotzdem los, es geht steil bergab über rutschige Steine, die Hänge rechts und links des Weges werden immer steiler, höher; der Canyon immer enger, bis er kaum noch breiter ist, als eine Person, die durchgeht. “Weitergehen, weitergehen. Keine Platzangst kriegen”, rede ich mir innerlich Mut zu.

BrückeAuf dem tiefsten Punkt angekommen, müssen wir über eine abenteuerliche Brücke klettern: zwei Baumstämme, die über den Fluss gelegt sind. Die Zwischenräume zwischen den Stämmen sind mit Grasbüscheln und Schlamm “ausgestopft”.

Und am anderen Ufer geht es mordssteil wieder hinauf, wir müssen quasi senkrecht den Abhang des Canyons hinaufklettern. Und schnaufen.

Der Regen ist inzwischen stärker geworden und meine Hose ist schon klatschnass: das Wasser rinnt von meiner Regenjacke direkt auf die Oberschenkel und meine Wollmütze wird schwerer und schwerer.

Auch die anderen sehen mehr und mehr wie begossene Pudel aus. Aber kalt wird uns nicht, denn ab jetzt geht es nur noch bergauf, bergauf, bergauf, wieder hoch nach Chugchilan.

Der Gedanke an eine leckere Käseplatte und heißen Mate-de-Coca-Tee treibt uns voran. Und wenn wir genau hinhören, können wir schon das Wanderbier im Kühlschrank des Black Sheep Inn rufen hören!

wieder im HostelAls wir ankommen, müde, schlapp, nass, ein bisschen angefroren – aber voll froh über diese tolle Wanderung, hüpfen wir gleich nochmal in die schön muckelig-warme Sauna.

Gewandert sind wir jetzt, so wie wir geplant hatten. Wie soll es nun weitergehen? Peter hat noch einen Berg Arbeit für die Schule zu erledigen – das will er am Sonntag machen und deshalb Samstag wieder zurück nach Cuenca. Olli und ich wollen nach Baños weiterfahren und dort, im Schatten des Tungurahua, noch einge Tage verbringen.

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Eine Antwort zu “Laguna Quilotoa”

  1. Monika und Frank Glaser sagt:

    Hallo Geli, wir sind Ollis Eltern. Wir haben mit großem Interesse und gelegentlichem Schmunzeln Deine Berichte aus Ecuador gelesen und die netten Fotos bewundert, so viel Information hätten wir von unserem wortkargen Sohn wohl nie bekommen. Besten Dank. Wir können jetzt seine Begeisterung über diese Reise gut nachvollziehen. Grüße auch an Peter, Monika und Frank

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