Die Busfahrt nach Sigchos ist mal wieder ein Abenteuer für sich! Der Bus ist ziemlich voll mit Menschen, die auf dem Markt in Latacunga gekauft – oder verkauft – haben und jetzt wieder nach Hause wollen. Dazu kommt: Es ist ein recht alter, ziemlich klappriger Bus. Aber in der Ecke leuchtet ein Heiligenbildchen der Jungrau Maria – was soll also schief gehen?
Zahlreiche “derumbes”, Erdrutsche, sind auch in diesem Teil Ecuadors auf die Straße gepoltert, oft ist sie dadurch sehr eng, der Bus wackelt arg, wenn er diese Hindernisse überfährt. Es zieht sich. Irgendwann kracht es laut: Etwas ist von unten gegen den Bus geknallt! Wir halten an, der Beifahrer fragt zunächst, ob irgendeinE Insasse/Insasssin den Lärm verursacht hat? Nein. Das war draußen. Einige Leute steigen aus, gucken so gut es geht unter den Bus. Nix zu sehen. Also geht es weiter.
Irgendwann fahren wir auf einen großen Parkplatz. Sigchos. Endstation. Zwei Pickups tauchen auf und ein Typ, der checkt, wer wohin fahren will, versucht uns auf die Autos zu verteilen. Es gibt es großes Hin und Her: Wer fährt mit wem? Und dann fängt es auch noch an zu regnen. Schließlich ist klar: Max (der junge Ecuadorianer, der uns Latacunga angesprochen hat), ein junger Mann mit einem Jungen (vielleicht sein Sohn? Er geht sehr liebevoll mit ihm um), Peter, Olli und ich sowie der Organisator steigen in einen der Pickups. Vater und Sohn nehmen auf der Ladefläche Platz und legen sich aufs Gepäck, über sich ziehen sie eine große Plastikplane.
Der Kleine guckt während der Fahrt öfter mal durchs Rückfenster, klopft und macht Faxen. Schließlich wird der Regen für die Zwei im Freien doch zu stark, sie wollen ins Auto. Also wird gequetscht: Ich nehme mal wieder auf der Handbremse zwischen dem Fahrer und Peter Platz. Aber das kenne ich ja inzwischen… Wir fahren und fahren über die schlechte Straße – und endlich, ein Schild! Wir haben das Black Sheep Inn erreicht!
Jetzt müssen wir nur noch unser Gepäck (und uns selbst) den Berg hochschleppen. Hoffentlich ist überhaupt noch was frei? Denn wir haben gar nicht im voraus gebucht. Aber wir haben Glück! Andres, ein rotwangiger US-Amerikaner mit langen, blonden Haaren, der schon seit 17 Jahren hier lebt, (er ist mit Michelle zusammen Besitzer des Black Sheep Inn) erzählt, dass das Hostel am Tag zuvor ausgebucht war. Aber heute ist es wieder leerer und wir können zwischen mehreren Zimmern auswählen. Wir entscheiden uns für einen Mehrbettraum mit kleinem Bullerofen, den wir drei aber alleine bewohnen.
Nachdem das geklärt ist, plumpsen wir erst mal auf die Bänke im gemütlichen Gemeinschaftsraum, bestellen eine – köstliche! – Käseplatte (aus einer nahegelegenen Käserei, die auch bei einem Tagesausflug besichtig werden kann), nutzen ausgiebig das Free-Coffee/Free-Tea Angebot (aus den tollen Black Sheep Inn-Tassen!) und verspachteln einen Teil unseres Reisproviants.
Und: Wir benutzen zum ersten Mal die Klos! Das ist deshalb so spektakulär, weil das Black Sheep Inn ausschließlich ökologische Kompostklos hat. (Und die auch noch mit einer tollen Aussicht auf die Berge! “A loo with a view!” also.)
Das Ganze funktioniert so: Statt nach erledigtem “Geschäft” – welcher Art es denn auch sei – die Wasserspülung zu betätigen, wird eine Schaufel Holz-Häcksel in die Grube (ähnlich wie bei einem Plumpsklo) geworfen. Der Abbau der Fäkalien fängt sofort an und – wegen des vorhandenen Sauerstoffs – finden keine anaeroben Prozesse statt (die mit viel Stinkerei wg. der Faulgase einhergehen).
Wirklich: Es stinkt nix – es riecht nur ein bisschen nach Holz. So entsteht ein feiner Kompost, der gleich wieder für die Pflanzen im Garten benutzt wird. Die Klos sind an den Hang gebaut, sodass man die Grube (siehe Foto links) durch Türen betreten und ausräumen kann. Es wird also weder Trinkwasser verschwendet, noch wird das Problem “gelöst”, indem das Abwasser weiter runter ins Tal geleitet wird – wo sich die dort Ansässigen dann darum kümmern müssen.
Zum Händewaschen wird gesammeltes Regenwasser (aus der blauen Tonne, siehe Foto oben) verwendet, zum Duschen das “normale Wasser” aus der örtlichen Wasserleitung (das man/frau nach Möglichkeit aber nicht trinken sollte) und zum Trinken und Zähneputzen sind überall Wasserspender mit Trinkwasser aufgestellt. Und an jeder “Wasserstelle” gibt es Schilder, die alles genau erklären und so werden die Gäste eigentlich permanent daran erinnert, dass sauberes Wasser aus dem Hahn eben keine Selbstverständlichkeit ist. Gleichzeitig ist das Black Sheep Inn auch sozial engagiert, es gibt diverse Projekte (eine Bücherei, Computerkurse usw.), die der ansässigen Bevölkerung zu Gute kommen.
Da es regnet und klamm-kühl ist, beschließen wir, am späten Nachmittag in die Sauna zu gehen. Die ist Marke Eigenbau – eine rustikale Holzhütte mit einer ziemlich niedrigen Einstiegsluke – und wird mit einem Holzofen erhitzt (was ein paar Stunden dauert). Die kalte Dusche ist draußen unter den Bäumen und es gibt einen warmen kleinen Pool (eine Holzplattform, in die eine große hellblaue Plastikbütte eingelassen ist, unter freiem Himmel mitten am Hang, mit Blick aufs Tal und die gegenüberliegenden Berge).
Das Wasser im Pool wird mit dem Prinzip der Schwerkraftheizung durch die Sauna warm gehalten (irgendwas mit “warmes Wasser steigt nach oben” – wer mehr wissen will, bitte Peter fragen). So schwitzen und sitzen wir – mal in der Sauna, mal die Füße bei den drei gelben Quietsche-Entchen im warmen Poolwasser (während auf unsere Köpfe und nackten Schultern der kühle Regen fällt). Passend zum Abendessen – das von allen Gästen gemeinsam um sieben Uhr eingenommen wird – sind wir fertig.
Der Gemeinschaftsraum ist schön muckelig warm (ebenfalls durch einen Holzofen beheizt), das – vegetarische! – Essen sehr lecker (und Olli kriegt sogar eine vegane Portion). Und Andres wirbelt herum, verteilt Wanderkarten, fragt die Pläne der Leute ab, empfiehlt Wanderungen und Ausflüge und organisiert die Pick-Ups entsprechend: Der Bus kommt nämlich schon seit ein paar wochen nicht mehr nach Chugchilan, wegen der schlechten Straßenverhältnisse. Nur noch Wagen mit Allradantrieb schaffen das. Wir drei beschließen, am nächsten Tag eine große Wanderung rund um die Quilotoa-Lagune zu machen. Und müde von der Sauna, schmeißen wir den Bullerofen in unserem Zimmer an, trinken noch ein Bier, Olli kuschelt sich in seine Alpaca-Decke und wir alle uns in die Betten – und schlafen.
Schlagworte: Black Sheep Inn, Chugchilan, Kompostklo, Okölogie, Sigchos