High Life & Nescafé

By angelikainecuador

Oliver Glaser)Als wir in der Dunkelheit an der Bushaltestelle von Montañita stehen, kommen gleich drei kleine Jungs mit Zettelchen auf uns zu gerannt. Ob wir ein Hostal suchen? Nein, wir wissen eigentlich schon genau, wo wir hinwollen. Aber die kleinen flitzen trotzdem mit uns mit, vielleicht erhoffen sie sich eine Provision vom Hostalbesitzer des „Tiki Limbo“. Unsere Unterkunft liegt mitten im Ort, neben der eigenen Musikanlage donnern auch die der Nachbarkneipen in voller Lautstärke und gegenüber wird wieder was anderes gespielt. Aber nach der Ruhe und dem Meeresrauschen in Puerto Lopez ist es ganz schön, mal wieder etwas Halli-Galli mitzukriegen.

Nach einer Dusche und Umziehen (wir haben ja noch den Kram vom Inselausflug an), sind wir bereit, uns ins Nachtleben von Montañita zu stürzen. Auf einer der Hauptstraßen, die zum Strand führen und irgendwann in feinen weißen Sand übergehen, beschließen wir an einer der Cocktailbuden Kuba zu befreien. Dort sitzt auch ein Amerikaner, vom Typ „Beach-Boy“, groß, blonde halblange Haare mit sorgfältig frisierter Nichtfrisur. Er macht irgendwas mit Schmuck, den er in Peru produzieren lässt, was er gleichzeitig mit vielen guten Taten verbindet (Ausbildung für die Mitarbeiter, Urwald-Schutz-Projekte, eine Schmetterlingsfarm – von den toten Schmetterlingen nutzt er die Flügel), über die er dann auch ausführlich berichtet. Seufz. Aber trotzdem nett.

Wir ziehen weiter und verspachteln Erbsentortilla (was spannender klingt, als es ist: Tortilla mit Dosenerbsen drauf) und Salat und hocken uns danach dann noch auf eine sehr lange Wasserpfeife in eine der Kneipen, beobachten die Leute, analysieren Tattoos, gucken zu, wie die Menschen immer betrunkener werden; kurz: wir lästern und lachen viel und trinken Kuba Libre. Und wieder im Hotel schlafen wir überraschend gut, trotz lauter Musik (Moskitos nerven viel mehr).

Oliver Glaser)Am nächsten Morgen sieht Montañita anders aus, ein klein bisschen „verkatert“. Erst nach und nach gehen die Rolläden hoch. Die ersten Surfer und eine Surferin marschieren mit ihren Brettern unterm Arm durch die Straßen zum Strand. Ein Mann auf einem Lastenfahrrad vollbeladen mit Ananas preist seine Früchte an. Wir beschließen (also viel mehr ich beschließe), dass wir im Funky Monkey frühstücken, einem hippen Laden, der uns schon am Abend aufgefallen war, mit eins A Blick raus auf die Straße. Eine junge Indígena – sie ist ganz in die traditionelle Tracht gekleidet: Filzhut, weiße bestickte Rüschenbluse, langer dunkler Rock – verkauft Erdbeeren. Ein Hippie mit sehr langen schwarzen Rastalocken läuft mit der Brötchentüte in der Hand an uns vorbei. Ein paar streunende Hunde untersuchen die Reste am Straßenrand.

Ein sehr verpeilter, sehr niedlicher Typ (Wie ich fand. Olli dagegen fand ihn nicht niedlich. Und er hat darauf bestanden, dass das an dieser Stelle erwähnt wird.) im Funky Monkey erklärt uns, dass die Küche leider noch nicht besetzt ist. Aber in der Zwischenzeit hat er schon mal ganz was Feines für den Olli (der Kaffee bestellt hat, ich hab – zum Glück – Tee!): einen Nescafé!

Endlich Nescafé!Hurraa! Olli ist überglücklich, dass er endlich, endlich in den Genuss kommt. Er hat ja in diesem Blog schon einiges über Ecuadors Kaffeekultur lesen können… Als ich das „Bäh!“ und „Igitt!“ und „Ich mag das nicht!“ von Olli nicht mehr hören kann, löse ich rasch das Problem, indem ich den Nescafé – heimlich, damit der nette Kellner nix mitkriegt – in den nächsten Palmenkübel auf dem Bürgersteig kippe. Und dann ist auch der Küchentyp da und wir können uns stärken. Vor uns liegt nämlich die Fahrt nach Riobamba, wo wir Peter treffen werden.

Was wir nicht bedacht haben: Wir sind in Ecuador. Und als wir zielstrebig die Bushaltestelle ansteuern, stellen wir fest, dass es keinen Direktbus nach Guyaquil gibt. Der erste fuhr um 5 Uhr in der früh, der nächste erst um 13 Uhr. Das im Reiseführer erwähnte „Mini-Taxi“ vom „Hostal Ricky’s“, das für 10 Dollar nach Guyaquil fährt, gibt es leider nicht mehr. Und da wir nicht so lange warten wollen, bleibt uns nur der „Rumpelbus“ nach Sta. Elena. Wo wir umsteigen müssen in den Bus nach Guayaquil. Wo wir wieder umsteigen müssen in den Bus nach Riobamba. Wo wir dann hoffentlich so gegen 18 Uhr Peter treffen werden.

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