Auf zur Silberinsel!

By angelikainecuador

Isla de la PlataNein, es gibt keine Silberschätze auf der „Isla de la Plata“, der „Silberinsel“, auch wenn sie früher von Piraten als Lagerstätte für Vorräte – und vielleicht auch Schätze? – genutzt wurde. Sie hat ihren Namen von den Unmengen Guano (also Vogelmist), der die Felsen an der Küste bedeckt und sie von weitem silbrig-weiß schimmern lässt. Und sie gilt als das „Galapagos für Arme“, denn dort sind einige der Tierarten zu beobachten, für die die berühmten Inseln vor Ecuador weltbekannt sind. Bloß kostet’s nicht so viel. Also genau das Richtige für uns.

Wir haben über die Hosteria den Ausflug auf die Insel gebucht, ein Taxi soll uns nach Puerto Lopez bringen. Wir fahren los, das Auto ist ein nicht mehr ganz neuer Pickup und wir sitzen mal wieder zu dritt vorne (auch wenn es eigentlich nur zwei Vordersitze gibt…). Olli, der ja erst seit ein paar Tagen in Ecuador ist und das alles noch nicht so gut kennt, staunt nicht schlecht, als wir fast nur auf der linken Seite fahren – da sind einfach viel weniger Schlaglöcher – und es beim Abbiegen in einer scharfen Kurve „plumps“ macht und der Autoschlüssel aus dem Zündschloss auf die Fußmatte fällt. Das Auto fährt aber weiter, kein Problem also. Und ein betont unauffälliger Griff des Mannes am Steuer: Der Schlüssel steckt wieder.

Die Agentur, die die Reise auf die Insel durchführt, liegt an der Hauptstraße, direkt neben uns ist das Meer. Zwei Holländerinnen fahren mit, eine Amerikanerin, ein spanisches Pärchen, Olli und ich. Unser Führer, Ernesto macht noch einen kurzen Stopp an einer der buntbemalten Buden, wo es Jugo (also Saft) und Batidas (Fruchtmilchmixe zu trinken gibt), dann spazieren wir alle weiter zum „Hafen“. Vorbei an buntbemalten Bretterbuden; vorbei an quatschenden Männern, die dabei ihre runden Bäuche streicheln; vorbei an im Sand spielenden Kindern; vorbei an den umherstreunenden Hunden, die am Straßenrand herumschnüffeln und nach Fressen suchen; vorbei an einem bunten Hahn, der es sich auf einer zwischen zwei Palmen gespannten Wäscheleine bequem gemacht hat.

Pelikane im HafenEin Hafenbecken gibt es nicht, vom braunen, feinen Sandstrand aus geht es gleich ins seichte Wasser. Zwischen den kleinen bunten Booten schwimmen Pelikane, wie bei uns die Enten auf dem Teich. Wenn eine Welle heranrollt, spannen sie ihre großen Flügel, schwingen sich kurz in die Luft, überfliegen die Welle, lassen sich wieder nieder. Sie haben am Morgen, als die Fischer mit ihrem Fang zurückgekommen sind, die aussortierten Fische und Abfälle gefressen.

Schwimmweste anAuch unser Boot liegt dort zwischen den anderen. Also: Alle Schuhe aus (die kommen in einen großen gelben Sack), Schwimmweste an, barfuß durch den weich-schlammigen Untergrund waten und ins wackelige Boot einsteigen. Ich brauche eigentlich nur dem roten Leuchten zu folgen: Ollis armen Füßen! Die haben zwei Tage vorher bei einem unserer Strandspaziergänge, der an einem bedeckten Morgen begann und in strahlendem Sonnenschein endete, zuwenig Sonnencreme, dafür aber einen dicken fetten Sonnenbrand gekriegt…

Oliver Glaser)Los geht die Fahrt und zwar ziemlich schnell! Zwei fette Motoren und ein Speedjunkie als Kapitän lassen das Boot mit einer langen Gischtspur fast übers Meer fliegen. Aber unser Kapitän hat’s nicht nur mit der Geschwindigkeit, sondern anscheinend auch ein feines Gespür für die MeeresbewohnerInnen, denn plötzlich erschallt der Ruf: „Delphine!“

Oliver Glaser)Und tatsächlich, als das Boot langsamer wird, kommen sie näher ran, umschwimmen den Bug, durchpflügen das Wasser, so dass man ihre Rückenflossen sehen kann. Es ist eine Gruppe von acht bis zehn Tieren und sie kommen so nah, dass wir sie berühren könnten. Minutenlang umschwimmen sie das Boot, irgendwie scheint es ihnen auch Spaß zu machen. Vielleicht gefallen ihnen auch unsere Entzückensschreie. Meine Kamera ist irgendwo im Rucksack, ich will keine Sekunde verpassen und krame sie deshalb nicht raus. Aber Olli hat seine (natürlich!) griffbereit, ihm gelingt dieses „Beweis“foto. Wir haben richtig Glück gehabt!

Oliver Glaser)Auf der Insel kriegen wir unsere Wanderschuhe zurück und los geht es auf einem Rundweg unter brennender Sonne. Wir schnaufen und schwitzen, vorneweg läuft Ernesto und gibt ein strammes Tempo vor. Er macht jede Woche etwa 80 Kilometer zu Fuß und ist topfit.

Zum Glück hat es auch auf der Isla de la Plata in den letzen Monaten extrem viel geregnet, der „Trockenregenwald“ ist also noch ungewöhnlich grün. Wir machen Pause unter einigen Bäumen und auch unterwegs sind immer wieder kleine Unterstände, aus ein paar Brettern zusammengenagelt, wo wir unterschlüpfen, ein wenig ausruhen und Wasser trinken können. Wie schön doch so ein kleiner Schatten sein kann!

junger blaufuß-Tölpel Ernesto erklärt uns, welche Pflanzen als Medizin genutzt werden und drückt mir irgendwann ein leichtes, stacheliges Etwas in die Hand: eine Luffa-Gurke. Diese natürlichen Schrubbelschwämmchen für eine schöne, weiche Haut, die man/frau in Deutschland im Bioladen kaufen kann. Auch die wächst auf der Insel, wenn sie hier auch nur faustgroß wird.

Von einigen Aussichtspunkten können wir Fregattvögel und schwarze Geier mit roten Köpfen beim Segeln beobachten. Und bald kommen wir an den Nistplätzen der Blaufußtölpel vorbei. In wenigen Metern Entfernung sitzen die Jungvögel auf den Klippen und warten darauf, von den Eltern gefüttert zu werden. In der Zwischenzeit gucken sie doof-lustig und lassen sich von uns fotografieren. Die Füße sind tatsächlich richtig blau (je älter die Jungtiere sind, je blauer, am Anfang sind sie noch grau)!

Olli und der MaskentölpelAuch Maskentölpel, mit weniger spektakulären Füßen, sitzen herum und schießen durch die Lüfte. Ernesto macht uns auf einen Albatroß aufmerksam, der keine fünf Meter von uns entfernt im Gebüsch sitzt. Diese Vögel erreichen Flügelspannweiten von bis zu mehr als drei Metern. Dieser zeigt uns leider seine Flügel nicht, sondern bleibt lieber im Schatten sitzen.

Wir marschieren weiter an der Küste entlang und haben nun eine grandiose Aussicht auf eine der vielen Buchten. „Hier gibt es Haie“, sagt Ernesto. Durch die heftige Brandung kommen die Fischerboote nicht her, es gibt viele Fische und das lockt die „tiburones“ an. Ein Ausdruck, der in Ecuador häufig gebraucht wird und einen festen Platz in der aktuellen Musik für die jungen Leute, dem Reggaeton, einer Mischung aus HipHop und Latino-Pop, hat: Ein „tiburon“ ist ein Mann, der Frauen abschleppt.

„Vor ein paar Tagen war ich hier, da habe ich sechs Haie gesehen“, murmelt unser Wanderführer und starrt ins Wasser. Plötzlich: „Da!“ Wir gucken – und sehen erst mal gar nix, außer Meer. Aber irgendwann doch: hinter der dritten Welle, links vom Felsen, gleich rechts hinter der aufschäumenden Brandung (oder so) entdecken wir einen dunklen, wendigen Schatten: ein Hai auf der Jagd.

Oliver Glaser)Als wir endlich den Rundweg geschafft haben sind wir ganz schön platt. Dürfen uns aber gleich ins nächste Abenteuer stürzen: Nach einer Erfrischung mit Wassermelone, Ananas, Cola und Thunfisch-Sandwiches wird die die Schnorchelausrüstung ausgepackt und wir ankern in einer Bucht (ohne Hai). Leider haben wir wg. des verspäteten Starts am Morgen nur noch eine halbe Stunde.

Oliver Glaser)Dann geht es wieder, rasend schnell, auf und ab, und Unmengen von Gischt sprühend Richtung Puerto Lopez, wo ich mich wackeligen Knien und ziemlich seekrank ans Ufer stolpere. Ist mir schlecht! Zurück im Hotel schnappen wir uns unsere gepackten Rucksäcke (wir haben am Morgen schon ausgecheckt) und warten auf den Rumpelbus nach Montanita, da wollen wir nämlich hin. Und – ich überlebe die Fahrt, dank der gelungenen Kombi aus Aspirin und eines Kügelchens aus Ollis homöopathischer Reise-Apotheke. Mitten in der Nacht kommen wir in Montañita an.

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