Wer menschenleere Strände nicht mag, farbenprächtige Sonnenuntergänge am Meer hasst; wild schäumende Wellen verabscheut; fischende Pelikane und rasant segelnde Fregattvögel zum Gähnen und stundenlange Spaziergänge am Strand langweilig findet – der sollte besser nicht nach Puerto Rico fahren…
Nachdem wir fast den ganzen Montag gebraucht haben, um erst mit einem Reisebus nach Montañita (der Halli-Galli Hippie-Hochburg an der Küste Ecuadors) zu kommen und von dort aus mit einem „Rumpelbus“ weiter nach Puerto-Rico, verbringen wir den Rest des Nachmittags faul am am Strand und machen ein Picknick mit Tuben-Guacamole und Ritz-Crackern und Bier. Und fotografieren.
Unsere Hosteria, das „Al Andaluz“ liegt gleich am Meer, die Cabañas (Hütten mit Schlafraum und Bad) und die übrigen Gebäude sind in einen üppigen Garten eingebettet und vom Strand aus kaum zu sehen, überall ist das Rauschen der Wellen zu hören. Das Al Andaluz ist mehrfach für seine ökologischen Grundsätze ausgezeichnet worden: Das Wasser der WCs wird für die Gartenbewässerung genutzt. Im Landesinneren liegt ein ökologisch betriebener Bauernhof, „Cantalapiedra“, der auch besichtigt werden kann. Von dort kommt das Gemüse fürs Essen in der Hosteria. Sogar die Moskitos haben ein feines Leben, es gibt zwar ein Moskitonetz, aber da sind – vermutlich aus tierrechtlichen Prinzipien? – Löcher drin, sie schlüpfen nachts durch und zwicken ziemlich gemein.
Am Strand spazieren wir stundenlang und treffen nur eine handvoll Menschen – leider haben aber auch die ganzen Cocktailstrandbars zu. Und in einer Nachbarhosteria gibt es keine Getränke für uns, in der „Barquita“ wird gerade umgebaut. Überall laufen kleine orange-braune Krebse vor uns weg, sie sind rasend schnell – obwohl sie seitwärts laufen auf ihren kleinen, flinken Beinchen. Manche flitzen zu ihren Sandlöchern und verbergen sich dort, andere rasen in Richtung Meer und stürzen sich in die nächste Welle.
Eine Pause machen wir an einem gestrandeten Schiff. Wir schauen den Pelikanen beim Fischen zu und versuchen, sie bei der Jagd zu fotografieren, was nicht so einfach ist. Die Pelikane kommen meist in einer Gruppe von drei oder mehr Vögeln in einer Linie angeflogen, um sich dann kopfüber in die Fluten zu stürzen. Ich gebe bald auf, Olli ist schon etwas ausdauernder und wie man/frau sieht, erfolgreicher. Ich mache mich lieber auf die „Schatzsuche“ am Strand. Auf dem Nachhauseweg sind meine Taschen mal wieder vollgestopft mit Muscheln und Steinen.
Hier, bei der „San Eduardo II“, können wir auch baden gehen. Schon Erika, Besitzerin des Iguanazu in Guayaquil, hatte uns gewarnt, dass der Pazifik eine starke Strömung hat und wir doch bitte nicht weit rausschwimmen sollen. Am Strand des Al Andaluz mussten wir selbst die Erfahrung machen, das der Pazifik nicht so friedlich ist, wie sein Name vermuten lässt: Der heftige Wellengang an der Oberfläche und der gleichzeitige starke Sog ins Meer hinaus unter den Wellen schleudert auch größere Kieselsteine hin und her und unangenehm gegen die Fußknöchel. Der Wellengang ist unheimlich stark, schon im hüfthohen Wasser kann ich kaum noch stehen. Aber an diesem Strandabschnitt, auf der Höhe des angespülten Schiffes, gibt es nur feinen Sand und so macht es Spaß, in die Wellen zu springen. Dazu kommt: Wir können lange im Wasser bleiben, es ist schön warm.
Wenn nur nicht Neckermann im Al Andaluz schon seine Pfoten drinhätte… Im Speiseraum, einem meterhohen Bambusgebäude mit Blick durch den Garten aufs Meer, läuft leider schreckliche Musik. So schrecklich, dass mir fast der Appetit vergeht: Wer will schon bei leckerem Gemüse in Erdnusssoße eine Instrumentalversion von „Yesterday“ der Beatles hören. Oder noch schlimmer: Latino-Schmalzsongs zurechtgemacht als Kaufhausmusik. Oder am Allerschlimmsten: Richard Clayderman! Also die Art von Musik, die keiner und keinem wehtun soll – aber in unseren Ohren schmerzt. So hören wir bei jedem Frühstück und jedem Abendessen dieselben drei CDs. Argh! Crivens!
PS: Ja, ja, wir haben unter anderem Terry Pratchetts „The Wee Free Men“ gelesen…
Schlagworte: Al Andaluz, Montanita, Puerto Rico

Mai 25, 2008 um 11:42 |
Hallo Geli!
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Nun habe ich es doch endlich mal geschafft deine neusten Berichte zu lesen und bin wieder auf dem neusten Stand- yeah! Und schon wieder gespannt auf’s nächste! Eine schöne Abwechslung zum Mutterdasein. So spannend als würde man ein gutes Buch lesen.
Oh man, das hört sich so toll aufregend an was Du schreibst!!! Wow! Echt cool!
Delphine, Pelikane, Blaufußdingsbums, Jeep fahren, Radrennen, Strand, seitwärtsrennende Krebse und mit Muscheln gefüllte Taschen!
Wie ging’s dem Peter eigentlich nach dem Radrennen würde mich mal interessieren?! By the way: Viele Grüße!!!
Hier wächst und gedeiht der kleine Felix- mitlerweile 8 Kilo schwer- uff- meine Quadricepse sind etwas sauer, denn täglich müssen schließlich mehrere Male Windeln gewechstelt werden und dazu muß ich ja eine Etage tiefer und wieder hoch
Felix übt fleißig sich vom Rücken auf den Bauch zu drehen und auch das Nuckeln am Daumen hat er nun drauf. (Mein Leben wird wieder etwas leichter!) Das ausgiebige Sabbern und Spuckegetriefe hat längst angefangen in Kombination mit eifrigem Kauen auf dem Zeigefinger- da sind anscheinend schon Zähne unterwegs?!
Heute waren wir an der Promenade und haben beim Fun- Rafting zugeschaut. Etwa 8 Gruppen hatten sich dazu angemeldet und unter der Voraussetzung auf irgendetwas Schwimmbarem ohne Motor über’s Meer zu schippern haben sie sich bei windigem Regenwetter (die Armen) durch die Wellen gequält. Anyway. It was good fun, denn wir standen ja in der gröhlenden Menge an der Promenade im Trockenen ;o)
Habe gestern Flüge gebucht. Mama kommt am 2. Juni und ich werde mit ihr und Felix am 9. nach Deutschland fliegen. Bin sehr gespannt. Auto und Fährfahrt hat er ja schon erlebt.
Wann kommt das nächste Rätsel?
Laßt es Euch weiterhin gut gehen! Ganz liebe Grüße!
Sonja