Niemals geht man so ganz…
Peters Eltern sind wieder in Deutschland - und haben schon wieder ihren ersten “richtigen” Filterkaffee seit langem getrunken! Am Montag Mittag um 15 Uhr hieß es Abschied nehmen von Peter, ich bin noch mit in den Bus gestiegen und nach Guyaquil mitgefahren. Mit einen super-duper neuen, sehr bequemen Reisebus von Mercedes Benz der Buslinie “Super-Semeria”.
Kaum aus der Stadt heraus, hält der Bus erst mal an: Ein Polizist und eine Polizistin in grau-schwarz gefleckter Tarnuniform steigen ein: Passkontrolle! Das große Kramen beginnt, aber es wird nichts beanstanded, nur ein paar Rucksäcke betastet. Es kann weitergehen.
Anders als beim Fahrkartenkauf angesagt, sind wir doch die Strecke über den Pass im Cajas-Nationalpark gefahren - eine Strecke, die ich jetzt schon richtig gut kenne. Und gerade als ich mich freue, wie gut ich doch schon bescheid weiß: Vollbremsung! Durch einen kleinen Erdrutsch ist ein Laternenpfahl in die Schräglage geraten, an dem auch ein Stromkabel befestigt war. Das hängt nun gefährlich tief über die Straße, aber der Busfahrer schafft es, im Schritttempo darunter hindurch zu fahren. Auch dieses Hindernis gemeistert.
Der Rest der Fahrt, immerhin noch vier Stunden, verläuft ruhig. Wir können uns die Bananenplantagen vor Guayaquil noch einmal anschauen, die schrabbeligen Häuschen am Straßenrand. Sogar die voll Vergnügen im dreckigen Wasser badenden Kinder sind wieder da! Terminal Terrestre in Guayaquil: Alles Aussteigen! Wir ziehen los, da stürzt ein junger Typ, ein bisschen picklig, aber freundliche Augen, ordentliches Hemd und dunkle kurze Kringellocken auf uns zu: “Taxi! Taxi?” Ja, Taxi, das brauchen wir jetzt - und ohne weiter zu überlegen, sage ich: “Si, si.” Verhandele über den Preis: 3 $. Ein Schnäppchen!
Auf was ich mich da eingelassen habe, sehe ich erst, als wir draußen auf den Parkplatz kommen. Eine schrottige Karre, Privatwagen, silber-metallic, nicht das leuchtende Taxi-gelb. Die Türen klemmen, die Karosserie ist ein bisschen verbeult. Ein anderer junger Typ, noch viel ordentlicher, recht hübsch, will uns fahren. Nach einem Obulus von 50 Cent (da sind wir schon bei 3,50 $) an den Vermittler steigen wir wagemutig ein. Peters Papa möchte, so habe ich das Gefühl, noch ein kleines Abenteuer erleben, bevor es wieder nach Hause geht. Peters Mama macht tapfer mit.
Der Fahrer und ich reden ein bisschen, das Übliche “Wo kommt ihr her? Wo geht ihr hin?”, schließlich möchte er gerne einen Satz auf deutsch übersetzt haben. Ich aber versteh nix. Irgendwas mit Gott?! Er erklärt es mir ungefähr fünfmal, haut ein paar Mal mit der Hand auf ein Buch auf dem Armaturenbrett. Endlich raff ich: Es geht um die Bibel! Das war ein Bilbelzitat! (Da fragt er ja genau die Richtige…) Ob er katholisch sei?, frage ich. Pikierter Blick von der Seite. Er sei “evangelico”. Aber ich wohl katholisch?
An dieser Stelle sei zu sagen, dass “evangelico” nicht etwa evangelisch heißt, sondern: evangelikal. Das sind die Christen hier, die jedes Wort aus der Bibel eins zu eins übernehmen, andere missionieren wollen (vom Prediger auf der Sraße bis hin zu denen, die an den Häusern klingeln) und an Palmsonntag und Ostern “Jesus”-Prozessionen machen, mit echten Dornenkronen und echten Peitschen. Nachdem wir dann alle erfahren haben, dass es nur einen Gott gibt und er an ihn glaubt… kommen wir endlich am Flughafen an und entfliehen der Karre und dem Geschwätz. Und ich verspreche Peters Mama hoch und heilig, dass wir von nun an nur noch in “richtige Taxis” steigen.
Der Rest - das Hotel kennen wir ja schon - klappt prima: Beim Gepäck muss noch ein bisschen was vom einen Koffer in den anderen geräumt werden, das Abendessen im chinesischen Restaurant im “Sol de Oriente” ist superlecker und mit der dröhnenden Alarmanlage werden wir auch fertig: Peters Eltern können das Zimmer wechseln und doch noch ein bisschen schlafen.
Am nächsten Morgen frühstücken wir in der Riesensschlange am Eincheck-Schalter von Santa-Barbara, wo wir uns gemeinsam mit etlichen Familien, mit Kindern und Bergen von Gepäck die Beine in den Bauch stehen. Der Flieger hat dann auch nur anderthalb Stunden Verspätung. Einziger Wermutstropfen an diesem letzten Tag: Klaus vergisst die Digitalkamera auf dem Klo - und merkt es erst nach einer halben Stunde. Da ist sie schon “weg”. Die Kamera bleibt also hier…
PS: Auf meiner Rückfahrt mit einem Reisebus der gleichen Linie, wurde sich schon wieder um mein Seelenheil gesorgt: Kurz nach Abfahrt begann eine junge Frau leidenschaftlich zu predigen: warum der Glaube an Gott so wichtig sei, wie gut Gott doch für die sorgt, die an ihn glauben. Und warnte vor den Gefahren des Alkohols und Sex vor der Ehe. Nicht, dass irgendjemand zugehört hätte… Und gerade als ich mir überlegt hatte, sie trotz meiner marginalen Spanisch-Kenntnisse zu bitten, doch etwas leiser zu sprechen, schwenkte das Thema ganz plötzlich von Gott - zu Glasperlenarmbändchen. 20 Minuten Predigt und danach der Verkauf von Armbändern, die von einer christlichen Familie gemacht worden sind! Ich hab jedenfalls keines gekauft.
Schlagworte: Cajas Nationalpark, Ecuador, Guayaquil