Oh, wie das juckt! Die Mückenstiche von Jambeli machen sich auch noch auf unserem Weg nach Zamora, weiter Richtung Oriente und Urwald bemerkbar. Ich nutze einen kleinen Zwischenstopp an einem Wasserfall direkt an der Straße zum ausgiebigen Kratzen (und werde auch noch prompt fotografiert. Wer den Schaden hat…).
Wir haben nichts reserviert und suchen vor Ort nach einer Unterkunft. Die Copalinga Lodge etwas außerhalb ist ausgebucht, dort können wir erst am nächsten Tag unterkommen. Also flitzen wir durch die Stadt, einen Zettel mit Tipps aus einem Reiseführer in der Hand, von einem Hotel zum anderen.
Eine lange Treppe führt im Hotel Bethania hinauf in den ersten Stock, wo auch die Rezeption ist. Alles ist dunkel. Wir schauen uns um, im Aufenthaltsraum läuft der Fernseher und eine junge Frau hockt auf dem Sofa, stiert in die Kiste. Sie scheint zuständig zu sein, wir wundern uns, dass sie so gar nicht reagiert?! Schließlich steht sie doch ziemlich genervt auf und kommt zu uns rüber. Wir möchten uns gerne Zimmer ansehen. Preis pro Nacht und Zimmer 15 Dollar. Wir sind einverstanden.
Mit Sack und Pack kraxeln Peters Eltern und wir die Treppen hinauf. Einchecken kann uns die junge Dame nicht (die schon wieder vor dem Fernseher sitzt), sie muss erst eine andere rufen (nicht dass sie das nicht schon in der Zwischenzeit hätte tun können…). Die verkündet, dass die Zimmer pro Person 15 Dollar kosten. Wir sind sauer – und schleppen unseren ganzen Rümpel wieder runter.
Ganz anders ist der Empfang im Hotel Samoria. Dort müssen wir zwar deutlich mehr bezahlen, aber der junge Besitzer des erst vier Wochen alten Hotels ist voll engagiert und putzt in Windeseile zwei nebeneinander liegende Zimmer blitzsauber. Wir dürfen solange in der kühlen Halle warten. Sodann belädt er sich mit sämtlichen Gepäckstücken und wir trappeln hinterher und lassen uns erleichtert auf die Betten sinken, um ein bisschen auszuruhen, bevor wir die Stadt erkunden.
Zamora (”Stadt der Vögel und der Wasserfälle”) ist ein klitzekleines Städtchen mit einer Riesenuhr, angeblich soll es die größte der Welt sein. An einem Hang sind mit entsprechender Bepflanzungdie Ziffern eines Uhrenblattes angelegt, nachts gibt es das Ganze mit Beleuchtung und überall wird auf Schildern ein Lob auf die Pünktlichkeit gesungen. Ob es etwas hilft?
Ein paar Meter weiter können wir dieses Standbild bewundern: Die Figur soll Vorbild sein für “die zamoranische Frau”. Sie ist Hauptfigur einer Novelle (”A naya o la chapetona”, von wem sie geschrieben wurde, steht leider nicht auf der Info-Tafel), in der neben der Schönheit der Region Yaguarzongo und deren Hauptstadt Zamora auch die Tugend und Standhaftigkeit einer jungen Mestizin beschrieben ist. Sie kämpfte für die Freiheit, verteidigte die Werte ihres Dorfes und setzte sich auch noch für die Ärmsten und Unterdrückten ein. So muss das sein, Mädels!
Mit einem Abendessen wird es ein bisschen schwer. An einem Kiosk mit einer Art Bambussonnenschirm lassen wir uns schon mal ein paar Bier schmecken – und bezahlen wieder mal Gringo-Preise: Draußen hängt ein Riesenschild, das verkündet, dass die Flasche Pilsener (ja, es gibt ein ecuadorianisches Bier, das heißt tatsächlich so ) 70 Cents kostet. Eine Flasche Sprite, die wir ebenfalls bestellt haben, ist schlecht (keine Kohlensäure mehr drin), wir kriegen eine neue. Als es ans Bezahlen geht, kostet die Sprite das Doppelte des üblichen Preises und das Bier auf einmal einen Dollar pro Flasche. Ah ja?! Peter diskutiert ein bisschen, weist auf das Schild hin (”Das ist alt!”) und bezahlt schließlich doch genervt, was verlangt wird.
Es dauert eine Weile, bis wir ein Restaurant gefunden haben, ein chinesisches, in dem die jungen Männer von Zamora laut mitfiebernd ein Fußballspiel anschauen. Die chinesische Inhaberin kann kaum Spanisch, aber irgendwie klappt es dann doch und wir haben ruckzuck Riesenportionen Nudeln und Reis vor uns stehen, über die wir uns hungrig hermachen.
Am nächsten Morgen – wir wollen eigentlich in den Podocarpus Nationalpark, Urwald gucken – regnet es mal wieder, und zwar aus Kübeln. Wir beschließen, trotzdem weiter zu fahren zu unserer nächsten Unterkunft, der Copalinga Lodge, in der Hoffnung, dass es bis dahin aufhört mit der Regnerei. Catherine, die Belgierin, die mit ihrem Mann die Lodge betreibt, begrüßt uns herzlich. Wir müssen noch ein bisschen warten, die vorherigen Gäste sind noch nicht abgereist. Peters Mama hat die Nase voll vom Regen und will lieber eine Pause. Sie macht es sich im “Essensraum” (siehe Foto nebenan) bequem. Von diesen Tischen aus kann man/frau auch Vögel beobachten, nicht weit entfernt sind Kolibri-Tränken aufgehängt und liegt Obst aus, von dem andere Vögel gerne mal ein Stückchen abzwacken.
Peter, Klaus und ich machen uns auf den Weg in den Urwald.
Im Park sind Wege angelegt, es geht bergauf und bergab, aber man kann bequem laufen, und wir staunen über die vielen verschiedenen Pflanzen und den dichten, undurchdringlichen Wald um uns herum.
Das erste Tier, das wir entdecken, ist eine schwarz-rot-weiße Raupe. Dann fallen uns die Blattschneide-Ameisen auf, die ein langes Stück den Weg entlang ihre eigene Straße haben. Überall zwitschert und piept es. Es hat fast zu regnen aufgehört, vielleicht kommt der Regen auch gar nicht durch das dichte Blätterdach, und es ist feucht und schwül-warm. Wir kommen an Wasserfällen vorbei und riesigen Farnwedeln. Wir sind total begeistert!
An der Station am Parkeingang treffen wir einen Kollegen von Peter: Einen Biolehrer, der an der deutschen Schule in Guayaquil arbeitet. Er ist begeisterter Hobby- Ornithologe und führt in seinen Osterferien drei Leute zum Vögel-Beobachten durch Ecuador. Die vier sind ebenfalls in der Copalinga Lodge untergebracht, nach dem Abendessen staunen wir, als sie ihre Beobachtungslisten auspacken und noch mal alle Vogelsichtungen genau besprechen.
Am nächsten Morgen, nach einer Nacht mit geheimnisvollen Vogellauten und Regen, der auf das Dach unserer urgemütlichen Holzhütte prasselt, geht es heimwärts. Unser Weg führt vorbei an dem riesigen Erdrutsch, der für Tage die Straße zwischen Loja und Cuenca versperrte, die eine der Hauptverkehrsadern des Landes, die einzige Verbindung von Süden in den Norden, ist. Unsere Rundreise durch den Süden Ecuadors ist vorbei, nun haben wir noch einige Tage in Cuenca, bis Peters Eltern wieder in den Flieger nach Deutschland steigen.
PS: Auch die “Reis-Reise” von Klaus hat nun ein Ende. Angefangen hat es an unserem Küchentisch: “Hier kommt nix raus! Habt ihr denn keinen Reis im Salzstreuer? Da muss Reis rein!” Gesagt, getan. Und in den Restaurants, wo wir gegessen haben, wurden ab sofort die Salzstreuer inspiziert und einem gründlichen Check unterzogen – und zum Glück hatte sich der Trick auch in Ecuador schon fast überall rumgesprochen. In einem wurde sogar Mais statt Reis gefunden! Klappt auch!
Schlagworte: Copalinga Lodge, Cuenca, Hotel Sarumia, Loja, Zarmora

April 7, 2008 um 12:44 |
liebe geli,
) http://www.viajandox.com/zamo_zamora_lachapetona.htm
na, jetzt ist ja die reise komplett geschildert und bebildert.
sehr schön. “naya o la chapetona” ist übrigens von einem
autor namens manuel belisario moreno, anscheinend ein
presbyterianer. aber ob der so feminismus im sinn hatte ?
(jaja, ich besserwisser
dein blog kommt bei google übrigens gleich an zweiter stelle…
toll !
liebe grüße,
olli
April 7, 2008 um 5:37 |
Lieber Olli,
naja, ich habe mich wenigsten gefreut, dass es mal – neben den ganzen Standbildern von all den Befreiern, Kriegsherren und sonstigen Helden – eine Frau zu sehen gab…
Liebe Grüße!
Geli