Unser nächstes Ziel nach dem Frühstück in Machala ist der versteinerte Wald in Puyango. Wir wissen noch nicht so viel darüber, von unseren Bekannten und FreundInnen war noch niemand dort gewesen. Er liegt etwa 240 Kilometer südwestlich von Loja, auf einer Höhe von 360 und 500 Metern über dem Meeresspiegel. Dementsprechend warm und tropisch ist das Klima, die durchschnittliche Tagestemperatur liegt bei 22.5 C°. Im Reiseführer wird dringend davon abgeraten, den Park in der Regenzeit (März/April) zu besuchen, denn dann „wimmelt es dort von Giftschlangen“.
Aber wir wollen ja Abenteuer. Und die haben wir schon auf der Fahrt nach Puyango! Auf dem nebenstehenden Foto ist zu erkennen, was dem Autofahrer/der Autofahrerin auf Ecuadors Straßen so blüht: ein plötzlicher Kuhauftrieb, Bananenlaster, die rasenden Busse und natürlich – hier nicht im Bild – die allgegenwärtigen Erdrutsche aufgrund des Regens; wildgewordene Hunde, die ihren Hof brav verteidigen und laut kläffend auf die passierenden Autos losgehen sowie Schlaglöcher in allen Größen, Formen, Farben…
Am Eingang des Parkes begrüßt uns Guiseppe, der ein Touristik-Studium in Guayaquil begonnen hat, aber hier im Park arbeitet. Er macht uns gleich auf eine kleine, bleistiftdünne, unscheinbar braun-graue Schlange aufmerksam, die sich geschickt eine Treppe hinaufschlängelt: Die, „ekis“ genannt, sei total giftig. Und im Park gäbe es ganz viele davon. Wir sind hellauf begeistert…
Guiseppe zeigt uns auch stolz die neuen Gebäude: Es gibt ein kleines Museum mit Schautafeln, die die Entstehung des versteinerten Waldes erklären und in dem eine kleine Auswahl an Fossilien aus dem Gebiet des Parkes ausgestellt sind; Bürogebäude, sanitäre Anlagen und außerdem wird gerade an „habitaciones“, also Unterkünften, gearbeitet – die sind aber noch nicht ganz fertiggestellt.
Vor Millionen von Jahren befand sich in der Gegend von Puyango ein Meer (deshalb wurden dort auch viele versteinerte Meeresfossilien, wie zum Beispiel Ammoniten, gefunden.) Das Meer trocknete aus, die Vegetation und die Tierwelt veränderten sich. Durch Vulkanausbrüche und Erdbewegungen wurden Tiere und Pflanzen unter Lava- und Erdmassen begraben und versteinerten unter dem enormen Druck.
Erdbewegungen bei der Entstehung der Anden trugen die versteinerten Bäume, Araucarien – die gibt es so ähnlich auch heute noch – wieder an die Oberfläche. Einige der Versteinerungen sind 100 Millionen Jahre alt!
Und da liegen sie nun und können bewundert werden – übrigens ausschließlich auf ecuadorianischem Gebiet, obwohl die Grenze zu Peru nur wenige Kilometer entfernt ist.
Nach dem theoretischen Teil müssen wir noch ein kleines Stückchen fahren und dann geht es weiter mit einem ausgiebigen Spaziergang im Wald. Bei strahlendem Sonnenschein und ohne weitere Begegnungen mit Schlangen.
Unsere erste Entdeckung ist eine Raupen-Polonnaise: Auf einem Baumstamm marschieren sie, auf der Suche nach neuen Fressplätzen, eine an der anderen festgeklammert.
Die Baumstämme, die überall verteilt liegen, sehen tatsächlich aus wie echte, etwas ältere Stämme. Aber sie sind aus Stein. Einige waren über 40 Meter lang, sie sind in kleinere Teile zerbrochen und – obwohl sie durch Witterungseinflüsse jedes Jahr ein klein wenig an Umfang verlieren – immer noch beeindruckend dick.
Einer der Baumstämme lag noch vor etwa 50 Jahren quer über einem kleinen Fluß und wurde als Brücke benutzt. Starke Regenfälle und der dadurch entstehende reißende Strom, der Holz und Gestein mit sich trägt und eine entsprechende Wucht entwickelt, haben schließlich den Baumstamm zerbrochen. Der Mittelteil wurde von den Fluten davongetragen.
Übrig geblieben ist der Teil, auf dem wir hier gerade zum Gruppenfoto sitzen. Und auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses kann man noch sehen, wie das andere Ende des Stammes im Erdreich verschwindet.
Nach unserem Rundgang geraten wir noch in einen Shopping-Wahn: Es gibt handbemalte T-Shirts mit Motiven aus dem Park. Einen Button mit dem Logo des versteinerten Waldes bekommt jedeR von uns geschenkt. Und: Wir dürfen uns – als allerallererste! – in das funkelnagelneue Gästebuch eintragen!
Schlagworte: Ammoniten, Loja, Museum, Puyango, versteinerter Wald, Versteinerung
März 30, 2008 um 5:21 |
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