Heute ist Palmsonntag – und uns hat es in die Kathedrale verschlagen! Eigentlich hatten wir uns das nah bei Cuenca gelegene Baños mit seinen warmen Quellen und der “Wellnessabteilung” (mit Schwitzkästen) vorgenommen. Aber nach unserem ausgedehnten Frühstück war es dafür ein wenig zu spät. Inspiriert wurden wir von Luz-Maria, die piekfein zurecht gemacht verkündete, sie gehe jetzt in die Stadt, in der Kathedrale sei um 11 Uhr Messe. Schließlich sei “Domingo de Ramos”!
Nach kurzem Überlegen (”Da gibt’s bestimmt einiges zu sehen?!”) sind auch wir in den Bus gehüpft und in die Stadt gefahren. An den Eingängen der Kathedrale: großes Getümmel. Statt wie bei uns mit winzigen Palmwedelchen aus Buxbaum, ist es hier Tradition, kunstvoll geflochtene Gebilde mit in die Kirche zu nehmen. An die Sträuße, Kreuze, Schuhe(!), Glocken, oder einfach bis zu 1,50 Meter langen Flechtgebilde werden Kräuter wie Rosmarin und Cedron (die duften wunderbar!), aber auch Blumen wie Rosen, Nelken oder Löwenmäulchen gesteckt.
Geflochten wird, natürlich, von den Frauen. Aber es gab auch einige wenige Männer, die einen Straßenstand an den Mauern der Kathedrale aufgebaut hatten oder einfach auf dem Boden saßen, flechtend, und bemüht ihre Kunstwerke an die vorbeischlendernden Männer, Frauen und Kinder zu bringen. Ein buntes Gewimmel, zu dem auch noch eine Band gespielt hat.
Sitzplätze gab es in der Kathedrale keine mehr, aber an den Seiten der Kirchenbänke war noch Platz (und die Messe hatte schon begonnen). Eine Segnung dieser ganzen “Palmwedel” haben wir nicht erlebt, vielleicht war die auch schon vorbei. Einige Indígenas hatten dicke Büschel Rosmarin auf dem Schoß. Und auffallend viele Männer kümmerten sich liebevoll um die zum Teil noch winzig kleinen Kinder.
Alte Männer und Frauen, Familien, aber überraschend viele junge Menschen waren gekommen (also ganz anders, als bei uns). Hin und wieder quäkte ein Kind aus einer Ecke der Kathedrale. Während wir also dastanden (ich gestehe, ich habe wenig von der Messe mitbekommen, aber viel geguckt…) füllte sich nach und nach die ganze Kirche. Und überall ragten die Wedel über die Köpfe hinaus. Nach etwa einer Stunde war plötzlich alles vorbei und alle, alle, die bei der Messe dabei gewesen waren, strömten den Ausgängen entgegen, während gleichzeitig ein neuer Strom von Menschen in die Kathedrale drängte.
Am Hauptportal wurden wir schon erwartet: Fliegende Händler hatten ihre Stände aufgebaut mit Eis, Süßigkeiten und (Bananen)Chips. Ein Mann verkaufte im gegenüberliegenden Parque de Calderón ganz großartige Seifenblasenmaschinen.
Und eine jüngere Frau pries mit kräftiger Stimme ihr Produkt an: Die brandaktuelle “Extra”. “Drei Tote bei Verkehrsunfall wegen Alkohol! – Kirchenglocke geklaut!” (Die Zeitung entspricht in etwa unserer Bild, ist aber weitaus härter in der Auswahl ihrer Abbildungen: bevorzugt sind es verstümmelte Unfallopfer.)
Wir hatten dann Gelegenheit, uns die Flechtarbeiten nochmal genauer anzuschauen und sind über den Blumenmarkt gebummelt. Dort haben wir Kräuter im Topf (vielmehr ist es hier eine Plastiktüte) gekauft. Nach eine Kaffee im “Café Austria” sind wir ein Stück am Rio Tomebamba Richtung nach Hause spaziert, mal in strahlendem Sonnenschein, mal kamen ein paar dicke Tropfen vom Himmel. Das letzte Stück haben wir dann wieder mit dem Bus zurückgelegt.
Nun stehen hier draußen direkt vor unserer Küche Cedron, Minze und Speerminze und wachsen hoffentlich fleißig, während wir morgen unsere Rundreise starten.
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