Salat und kalte Dusche

By angelikainecuador

Bald können wir nur noch Salat essen und nur noch kalt duschen (soll ja gesund sein…). Denn: Es gibt zur Zeit kein Gas mehr zu kaufen!

Unser warmes Wasser bekommen wir durch einge gasbetriebene Therme und auch unser Herd in der Küche hat drei Gasplatten (und eine Elektro-Platte, die aber nur lauwarm wird). Im Hof stehen zwei Gaszylinder, die sind entsprechend angeschlossen. Normalerweise ist es so, dass jeden Morgen um sieben Uhr der erste kleine LKW hier an unserem Haus vorbeifährt – laut hupend, versteht sich – und der fliegende Händler verkauft Gaszylinder an die Haushalte. Und im Laufe des Tages fährt immer wieder mal ein Gaslieferant vorbei. Für 2 Dollar kann man den alten, leeren Gaszylinder gegen einen neuen, vollen eintauschen.

Seit ein paar Tagen kommt keiner mehr. Unsere Vermieterin, Luz-Maria, die ja mit uns hier im Haus wohnt, hat heute morgen die Lieferanten abtelefoniert. Und immer wieder seufzte sie nach dem Auflegen: “No hay! No hay!” – Es gibt keins. Keiner konnte Gas verkaufen. Oder wollte?

Durch die andauernden Regenfällen gibt es Steinschläge, und nun sind die Straßen, besonders die Pässe, durch die man ja durch muss bis nach Cuenca, das mitten in den Bergen liegt, verschüttet und unpassierbar. Frank, der deutsche Besitzer der “Wunderbar” hier in Cuenca, hat schon feststellen müssen, dass auch das Angebot auf dem Markt nicht mehr so üppig ist, wie sonst. Der Energie-Minister hat verlauten lassen, dass trotz der Probleme bei der Anlieferung des Nachschubs noch genug Gas vorrätig sein müsse. Die Händler wiederum behaupten, sie haben keins mehr.

Luz-Maria hat mir erklärt, dass es eine bewährte Taktik der Gashändler ist, in solchen Zeiten die Gaszylinder zu bunkern und zu hoffen, dass wg. Gasknappheit die Nachfrage immer größer wird und die Leute deshalb bereit sind, mehr zu zahlen. Das ist dann ein gutes Geschäft: In der Vergangenheit sind die Preise schon mal bis auf 12 Doller für eine Füllung gestiegen!

Warum wir keine Ersatzkartusche haben? Luz-Maria hatte zwei. Aber als sie einem Nachbarn ihren Hof als Abstellplatz für sein Auto vermietet hatte – der es mit dem Tor-Abschließen nicht so genau nahm – sind über Nacht alle Gaszylinder, die pro Stück 40 Dollar kosten, geklaut worden. Ein herber Verlust. Und für den Dieb – bei einem durchschnittlichen Monatslohn hier in Ecuador von 100 bis 300 Dollar – ein “Schnäppchen”!

Auch deshalb, weil viel geklaut wird, sind die Häuser hier meist von Mauern umschlossen, haben schwere Eisengitter (so wie unseres auch), die mit Schlössern gesichert sind. Manchmal gibt es sogar Wächter, die von der Nachbarschaft einiger Straßenzüge engagiert und bezahlt werden und nachts (manchmal aber auch am Tag) in einem kleinen Wärterhäuschen sitzen und nur den Anwohnern Zugang gewähren.

Für den Kaffee heute morgen hat das Gas noch gereicht. Aber bei uns ist zur Zeit Schluss mit langen heißen Duschen und ausgiebigen Kochorgien. Und doch, ein Gutes hat das ganze: Das Hupkonzert morgens um sieben hat auch Pause…

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