30. Dezember 2007. Unser erster Ausflug ging zur Mitte der Welt, dem “Mitad del Mundo”, also dem Aequator. Schon die Busfahrt hin war ein echtes Abenteuer. Am Busbahnhof in Quito fahren die Busse im 10-Sekunden-Takt ab (ohne Quatsch!). Vorne auf dem Bus steht (unter anderem) das Ziel, das er anfaehrt, der Busfahrer hat immer einen zweiten Mann (und ganz selten auch mal eine Frau) dabei, der/die haengt schon von weitem aus der offenen Tuer und schreit permanent das Ziel des Busses. Man muss sich total beeilen und sich durchkaempfen zu den Tueren, wenn man Glueck hat, kann man einsteigen, wenn der Bus noch nicht wieder so viel Fahrt drauf hat… Unglaublich! Auch wenn man aussteigt, muss man das bei langsamer Fahrt machen, kaum ein Fahrer haelt an. Ich habe inzwischen den Verdacht, dass die Busfahrer untereinander Rennen fahren und die Passagiere nur Nebensache sind.
Das tolle Denkmal, diese Säule mit der Kugel obenauf und der roten Linie, am Äquator ist eigentlich voll geschummelt, die hatten sich um ein paar Meter vertan… Drumherum ist inzwischen ein ganzes kleines Dorf aufgebaut worden, alles nur zu Touri-Zwecken: Ihr glaubt nicht, was hier fuer ein Ramsch angeboten wird! Schrillbunte T-Shirts, Polyester-Pullis, Schals, die seit Wochen in der grellen Sonne und dem heftigen Wind flattern (und dementsprechend aussehen), Wandbehaenge mit Pandabaeren aus Alpaca-Fell, potthaessliche Toepferwaren, gewebte Freundschaftsbaendchen (okay, die sind noch ganz schön, wir haben jetzt auch welche…) und kitschig bemalte Teller – irgendwelches Zeugs, das kein Mensch braucht. Und in jedem der kleinen Läden das gleiche!
Wir haben uns mit Locro de Papa gestärkt (das ist eine Suppe aus Mais und Kartoffeln, eine Spezialitaet von Ecuador), während nebenan eine Band spielte. Was wunderschoen war: Inmitten des Mitad del Mundo-Dorftrubels haben wir in einem der Touri-Shops Pablo kennengelernt, mit dem wir uns fast zwei Stunden lang unterhalten und Kekse gegessen haben. Vielmehr Peter hat sich unterhalten und ich habe zugehoert, aber ziemlich viel verstanden. Und ein paar Brocken Spanisch und Englisch geredet. Und von Pablo Zahlen von eins bis zehn auf Quichua (das ist die Indio-Sprache) gelernt und aufgeschrieben.
Das war ein ganz wunderbar ruhiger Platz in dem ganzen Trubel, mit Garten drumherum, wir durften in der Haengematte auf der Veranda sitzen und dort unsere Postkarten schreiben. Es war ganz friedlich und wir haben einen Kolibri gesehen! Unseren ersten, einen dunkelgruenen! Pablo war unglaublich freundlich, sehr umweltbewusst – was glaube ich, sehr selten ist – und hatte total Spass an uns und unseren Erzaehlungen.
Denn apropos Umwelt: Was mich bisher am meisten nervt, ist der Muell. Der liegt ueberall rum und verhunzt die schoensten Plaetze. Und egal, ob der Muelleimer daneben steht, alles wird auf den Boden geschmissen – wo die Leute aber auch sitzen. Die Menschen haben damit so gar kein Problem.
Gleich nebenan, dort wo per GPS der echte Äquator ermittelt wurde, befindet sich eine Art Mini-Open-Air-Museum. Auch dort gibt es die legendäre rote Linie und ein Schild – und natürlich mussten wir gleich wieder Fotos machen…

Dort haben wir anhand physikalischer Versuche einiges zum Thema Äquator gelernt: Wasserstrudel im Abfluss eines Waschbeckens drehen sich in unterschiedliche Richtungen, je nachdem, auf welcher Seite der Erdmitte man sich befindet. Direkt über dem Äquator läuft das Wasser dagegen stracks hinunter. Außerdem kann man ein Ei auf einem in einen Holzblock eingeschlagenen Nagel aufstellen und es hält (angeblich wegen der starken Anziehungskraft.
Auch über die verschiedenen Völker Ecuadors gab es einige spannende Informationen – wie Schrumpfköpfe gemacht werden; dass das Ehepaar in der Hütte keinen Sex hatte, sondern dazu raus in den Wald gegangen ist; dass es Abflussgräben gab, durch die das Regen einfach durch die Hütten durchlaufen konnte – und wir durften mit einem Blasrohr schießen (natürlich nicht, ohne vorher eine Federkrone aufzusetzen, sonst geht das ja nicht, ist klar…).