Quito - die ersten Tage

hotel-san-francisco-w.jpg29. Dezember 2007. Quito. Jetzt haben wir endlich ein Internetcafé gefunden! Damit ihr alle bescheid wisst: Bin gut in Quito gelandet. Der Flug war okay, die erste Maschine war riesig, es gab auch noch ein paar freie Plaetze, man konnte den langen Flug gut aushalten (auf einer grossen Leinwand wurden Spielfilme gezeigt: also “Kino in der Luft”). Beim zweiten Flug nach Quito wars dann eher eng - da hatte ich auch nicht mehr so Lust, im Flieger zu sitzen, schlafen ging gar nicht.

Den Flughafen in Atlanta habe ich auch gut hinter mich gebracht: Ich hatte ja kein Gepaeck zu schleppen, das ich aus- und wieder einchecken musste. Das ist automatisch weitergeschickt worden. Allerdings gab’s am Schalter einen kleinen Schock: Die Maschine war ueberbucht und als ich einchecken wollte, hiess es erst mal: “Tja, leider kein Platz mehr. Aber Sie sind auf der Warteliste!” Prima! Zum Glueck hatte ich keine Zeit, mir Sorgen zu machen, denn zwei Minuten spaeter bin ich dann doch eingecheckt worden…

Die Maschine nach Quito hatte Verspaetung, ueber eine Stunde, also war Warten angesagt. Dabei habe ich dann Janeth kennengelernt, eine Ecuadorianerin, die in Bonn wohnt, mit einem Deutschen verheiratet ist und zum ersten Mal seit vier Jahren wieder nach Hause, nach Riobamba gefahren ist. Wir haben viel erzaehlt, über die Unterschiede in Ecuador und Deutschland, wie zum Beispiel die (Un)Pünktlichkeit.

Auch Janeth hatte eine eher lockere Einstellung zur Zeit. Eine halbe Stunde zu spät, war normal. Auch in Deutschland noch. Aber dort hat sie einen ihrer Jobs verloren, weil sie zwei Minuten zu spät kam, und auch ihr Freund ist bei Verabredungen dann irgendwann einfach alleine losgezogen, wenn sie mal wieder die Zeit verpeilt hatte. So, “und nur so”, wie sie sagt, hat sie es gelernt, pünktlich zu sein - und kommt inzwischen selber mit Unpünktlichkeit gar nicht mehr klar. Sie hatte total Heimweh und sich wie verrueckt gefreut, als die Lichter von Quito auftauchten!

unterwegs-in-quito-w.jpgIn Quito am Flughafen konnte ich vor den Kontrollen Peter sehen, durch eine grosse Scheibe, da haben wir uns schon mal gewunken. Bis wir uns in die Arme fallen konnten, hat es dann noch etwas gedauert, weil erstmal mein Rucksack verschollen war. Ich stand schon in der langen Schlange, um ein Baggage-Claim-Formular auszufuellen, was noch Stunden gedauert haette, da schleppte ein Flughafenmitarbeiter noch ein paar verlorene Koffer an - und meinen Rucksack. “You’re lucky”, meinte ein Mitreisender seufzend… Stimmt!

Peter Wiedersehen war sehr schoen, aber auch ein bisschen ungewohnt - er hatte einen Anzug (!) an. Wir sind mit dem Taxi ins Hotel “San Franciso”, das mehrere hübsch bepflanzte Innenhoefe hat und viel altes Gemaeuer. Wir sind noch kurz vor die Tuer, aber da war es schon halb zwei nachts - und alles hatte zu, kein Mensch unterwegs. An vielen Ecken aber sassen Bettler.

Die Weihnachtsplaetzchen (von Peters Mama an Peter) haben es ja leider nicht mehr mitgeschafft (ich musste sie wg. Übergepäck wieder rausräumen), aber die anderen Geschenke und der Hase (sein altes Lieblingsstofftier war wieder aufgetaucht und ist ihm mit meiner Hilfe nach Ecuador nachgereist) sind heil angekommen. Peter hat sich sehr darüber gefreut.

in-quito-w.jpgAm nächsten Morgen nach dem Fruehstueck mit superleckerem Saft sahen die ganzen Strassen gleich ganz anders aus: Die Eisenrollaeden hoch, ueberall kleine Geschaefte, an jeder Ecke dröhnt Musik. Plaetzchen gibts aus Riesensaecken, ein Eierladen hatte die Eierpaletten bis an die Decke gestapelt, Menschen ueber Menschen (alle ziemlich klein, ich bin voll gross, eine ganz neue Erfahrung!) in bunten Klamotten. Sehr abgefahren sind auch die Laeden vollgestopft mit Heiligenfiguerchen und religioesem Schnick und Schnack. Es ist schon mal ganz schoen lebendig hier!

Wir sind hochgestiegen, zur “Virgen de Quito”, die auf einem Hügel mitten in der Stadt emporragt, eine steile Treppe hoch, einen Weg, den man (Mama weghoeren!) eigentlich meiden soll. Aber alles war prima - wir haben nur viele Hunde getroffen. Und wir sind an einer oeffentlichen Waescherei vorbeigekommen, wo bestimmt 50 Frauen ihre Waesche an Steinwaschbaecken mit kaltem Wasser gewaschen und auf einem Platz daneben zum Trocknen aufgehaengt haben. Drumherum sprangen Kinder, der ganze Platz ein flatterndes buntes Waeschemeer!

Auf dem Weg nach oben kamen uns drei Frauen entgegen, eine trug einen grossen Jungen auf dem Ruecken, der offensichtlich schwer krank war (dick bandagierte Haende), sie weinte und war wohl in der Kirche auf dem Berg gewesen um zu beten. Peter hat erzaehlt, dass nur die wenigsten eine Krankenversicherung haben, wenn etwas ist, legt die ganze Familie zusammen, um irgendwie die Behandlung zu bezahlen.

blick-auf-quito-w.jpgWieder unten in der Altstadt duftete es überall koestlich nach Mittagessen, Frauen - viele in den traditionellen Kleidern mit Filzhut auf den schwarzen, meist zu Zöpfen geflochtenen, Haaren und in knallbunten Glockenröcken - laufen herum mit Eimern oder Kisten, in denen gegrillte Haehnchen liegen; fritierte Schweineohren habe ich auch schon gesehen.

Das waren meine ersten Eindrücke. Wir bleiben noch einige Tage hier in Quito, bevor wir nach Cuenca weiterfahren. Ich möchte unbedingt noch ins Café Kolibri und auch Peter hat schon einige Pläne, was wir hier so unternehmen können. Und wir wollen hier schließlich noch Silvester feiern!

2 Antworten zu “Quito - die ersten Tage”

  1. christiane sagt:

    wuerdest Du mir die Adresse von diesem Cafe posten- wir sind gerade in Quito und haben das wie verrueckt gesucht
    schoene Gruesse
    Christiane und Heide

  2. angelikainecuador sagt:

    Hallo Christiane und Heide,

    das Café Colibri ist in der Joaquín Pinto 619 y Cordero, in der Neustadt, T 2564011.

    Falls ihr den Besitzer seht, sagt ihm doch bitte liebe Grüße von den beiden Deutschen, die morgens an Silvester bei ihm, viel rumgequatscht und auf dem Weg nach Cuenca waren.

    Euch noch viel Spaß in Ecuador und eine gute Reise!

    herzliche Grüße

    Angelika

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